Donnerstag, 13. Februar 2014

BürgerEnergie Berlin wirbt um Geldgeber

Klimaforscher Schellnhuber unterstützt bei TU-Veranstaltung Bewerbung der Genossenschaft um Stromnetzkonzession

Der Kampf um das Berliner Stromnetz geht auch nach dem gescheiterten Volksentscheid zur Energie weiter: Die Genossenschaft BürgerEnergie Berlin hofft bei Konzession zum Zuge zu kommen.

Das Thema Strom und Netze ist nach den hitzigen Debatten der vergangenen Monate in Berlin abgekühlt. Selbst die vor ein paar Wochen öffentlichkeitswirksam gestartete Onlinepetition von BUND, BürgerEnergie und den Abgeordnetenhausfraktionen von Grünen, Piraten und LINKEN dümpelt vor sich hin. Es scheint fast, als sei alles gelaufen. Stimmt aber gar nicht, denn das Vergabeverfahren für das Berliner Strom- und Gasnetz läuft immer noch.

Rund 8,5 Millionen Euro hat die Genossenschaft BürgerEnergie Berlin, die sich um das Stromnetz bewirbt, inzwischen gesammelt, erklärt Sprecherin Luise Neumann-Cosel. Sie spricht an diesem Montagabend im sehr gut besetzten Hörsaal der Technischen Universität (TU) über die Konzessionsbewerbung. »Das Netz sollte nicht einem großen Konzern, sondern den Berlinerinnen und Berlinern gehören. Wir denken, ein Stromnetz als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge sollte demokratisch kontrolliert werden«, betont Neumann-Cosel. Schließlich werde damit auch viel Geld verdient. Vattenfall als jetziger Besitzer habe durch die Braunkohleverstromung einen erheblichen Anteil am Kohlendioxidausstoß in der Region. »Das Stromnetz ist aber sehr wichtig für die Energiewende«, bekräftigt Neumann-Cosel.

Ihre Erklärungen werden wohlwollend vom zahlreichen Publikum - Menschen aller Altersklassen - aufgenommen. Und doch sind viele wegen etwas anderem hier: Professor Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, spricht über aktuelle Erkenntnisse seines Forschungsgebiets. Doch zunächst ist er voll des Lobes für die Genossenschaft: »Ich finde diese Initiative außerordentlich wichtig. Wir treten wirklich in ein neues Zeitalter ein, was die Teilhabe der Gesellschaft an ihrer eigenen Zukunft angeht. Das ist so wichtig für die Zukunft des Planeten, dass man es nicht nur den Politikern überlassen darf.« Die notwendige »durchgreifende Veränderung des industriellen Metabolismus« könne nur die Gesellschaft selbst wollen, das könne nicht verordnet werden, so Schellnhubers Überzeugung.

Gerade der »extrem langsame« Verhandlungsprozess wie zuletzt bei der Warschauer Klimakonferenz, bei der es »keine nennenswerten« Ergebnisse gab, wirke häufig entmutigend. Doch der Klimaexperte glaubt, dass die nötige Bewusstseinsveränderung kommen kann. »Ein gutes Beispiel ist das Rauchen, wo große Desinformationskampagnen in den Siebzigern finanziert wurden. Es ist einfach nicht mehr selbstverständlich, dass man in einen Seminarraum geht und sich eine Zigarette ansteckt. Es ist eine langsame Veränderung, aber sie findet statt«, sagt Schellnhuber.

Und doch kann er auch nicht nur mit schlechten Nachrichten dienen. Aufgrund eines von ihm miterstellten Klimareports fördert die Weltbank nicht mehr den Bau von Kohlekraftwerken. »Sehr viele Menschen weltweit, die glauben, dass Klimaschutz essenziell ist, setzen auf ein Gelingen der deutschen Energiewende«, appelliert der international vernetzte Wissenschaftler an die Anwesenden, das Ihrige dazu beizutragen. »Fangen Sie an umzudenken und fangen Sie an BürgerEnergie zu unterstützen!« Lang anhaltender Applaus brandet auf.

»Das Stromnetz ist wichtig für die Energiewende«, sagt Luise Neumann-Cosel. »Und da der Kaufpreis bei der Vergabe keine Rolle spielt, haben wir als Bürgergenossenschaft eine gute Chance.« Der eine oder andere Mitzeichner der Genossenschaft dürfte sich an diesem Abend in der TU noch gefunden haben.

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