Dienstag, 30. Juli 2013

Nichts übrig für schnelle Ergebnisse

Weiterfinanzierung anonymer HIV-Schnelltests durch Senat ist unsicher

2300 Berlinerinnen und Berliner wissen nicht, dass sie HIV-Positiv sind. Das ist einerseits schlecht für sie persönlich, weil ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn die besten Ergebnisse bringt. Aber es ist auch schlecht für jene, an die sie unwissentlich das Virus weitergeben. Ähnlich sieht es aus bei Erkrankungen wie Hepatitis C oder Syphilis. Als Mittel um möglichst viele Infektionen aufzudecken haben sich die von Berliner Aidshilfe, Mann-o-Meter, Pluspunkt und Fixpunkt angebotenen Schnelltests bewährt. Ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe genügt und nach einer Stunde ist das Ergebnis da. Doch die Finanzierung ist nur bis Ende Januar 2014 gesichert, wenn die Mittel der Berliner Lottostiftung aufgebraucht sind. Obwohl sich Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) bei der Beantwortung einer Kleinen Anfrage im Abgeordnetenhaus die Notwendigkeit sieht, das Angebot unbedingt fortzusetzen, sind in den Haushaltsplanungen der Behörde keine Mittel dafür vorgesehen.

„Das grenzt an unterlassene Hilfeleistung“, meint Elfi Witten vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, denn Früherkennung rette Leben. Gerade mit den angebotenen Schnelltests werden Zielgruppen erreicht, die sich sonst überhaupt nicht oder viel später untersuchen lassen würden. Über 4000 Personen haben sich in 15 Monaten testen lassen, dabei wurden allein bei 53 Menschen HIV diagnostiziert. Das sind rund 10 Prozent aller Berliner HIV-Diagnosen in dem Zeitraum.

Auch die Tests auf Syphilis und Hepatitis C hält Stephan Jäkel von Pluspunkt für sehr wichtig. „Wir können ein Screening von sexuell übertragbaren Krankheiten machen, das können Hausärzte gar nicht leisten“, sagt er. Bei den über 300 durchgeführten Tests auf Hepatitis C waren fast 9 Prozent positiv. „Das zeigt, wie viele Leute mit einer unerkannten Infektion herumlaufen“, sagt Jäkel. Insgesamt seien sexuell übertragbare Krankheiten auf dem Vormarsch.

„Jede früh entdeckte HIV-Infektion kostet in der Therapie nur halb so viel wie eine spät entdeckte AIDS-Erkrankung“, sagt Jäkel. Das macht es für ihn um so unverständlicher, dass der Senat das Projekt nicht weiterfinanzieren will. „Gerade bei Präventionsleistungen ist das Geld gut angelegt.“ Etwa 300000 Euro pro Jahr müsste das Land investieren. Eine Summe, die sicherlich zu finden wäre, zumal gemunkelt wird, dass der Etat von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) im künftigen Haushalt erheblich steigen wird.

Carsten Schatz von der Deutschen Aids-Hilfe hielte es daher auch für „fahrlässig“, den Erfolg des Programms aufs Spiel zu setzen. „Leicht erreichbar und anonym in den Szenen der Zielgruppen durchgeführt, sind die Testmöglichkeiten von essenzieller Bedeutung für die Gesundheit vieler Menschen und für die HIV-Prävention insgesamt“, sagt Schatz.

„Das zielgruppenübergreifende Testangebot für HIV, Hepatitis und Syphilis ist innovativ und eine wichtige Säule der Früherkennung und Prävention in der Infrastruktur für sexuelle Gesundheit Berlins“, sagt Klaus Lederer von der LINKEN im Abgeordnetenhaus. Berlin dürfe hier nicht zurückfallen. Senat und Parlament seien in der Pflicht, die Existenzgrundlage dieser Präventionsarbeit zu sichern.

„Die Abgeordneten haben das letzte Wort bei den Haushaltsberatungen“, sagt Stephan Jäkel. Die Mitglieder des Gesundheitsausschusses könnten die erforderlichen Mittel intern verschieben. „Es wäre gut, wenn sie das auch tun würden.“

www.hiv-schnell-test.de

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