Sonntag, 21. April 2013

Wohnungsboom in Lichtenberg

Im Bezirk werden tausende neue Wohnungen geplant


Übergroße Freiflächen in den Siedlungen, mäßig genutzte Gewerbeflächen mit guter Verkehrserschließung, leerstehende Wohnheime und Verwaltungsbauten. Lichtenberg hat viel Potenzial für in Berlin dringend benötigten Wohnraum. Der Bezirk hat in einer Übersichtsplanung Potenzial für 8000 bis 9000 neue Wohneinheiten ausgemacht. Das können Eigenheime, Mietwohnungen oder Apartments für studentisches Wohnen sein.

2012 wurden bereits etwa 1550 neue Wohnungsbauten im Bezirk genehmigt – rund ein Fünftel der Gesamtberliner Zahlen. Obwohl der „Bereichsentwicklungsplan Wohnen“ erst in einigen Wochen vorgestellt werden soll, gab der Lichtenberger Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) am Mittwoch einen Überblick über Projekte, über die bereits intensiv mit Investoren verhandelt wird.

Der größte Brocken dieser potenziellen neuen Standorte ist der „Wohnpark Hönower Wiesenweg“, der sich künftig südlich der Straßenbahnwendeschleife am Blockdammweg erstrecken könnte. Rund 700 Wohneinheiten – Townhouses, Stadtvillen und etwas größere Mietshäuser – sowie rund 24000 Quadratmeter Gewerbeflächen könnten auf dem heute hauptsächlich von Recyclingunternehmen genutzten Gelände entstehen – so sieht es das städtebauliche Konzept vor. „Es gab lange Diskussionen über Bebaungsdichten, die momentane Planung ist ein Kompromiss, allerdings gibt es noch keinen Bebauungsplan“, so Nünthel. Das Konzept sieht auch eine Erhaltung der Gartenarbeitsschule vor, die lange als gefährdet angesehen war. In 18 bis 24 Monaten könnte der Bebauungsplan stehen.

Am Mühlengrund, ein zum großen Teil leerstehendes Nahversorgungszentrum in Neu-Hohenschönhausen, könnten nach Teilabriss, Sanierung und Neubauten bis zu 250 teils barrierefreie Wohnungen entstehen. Sowohl dem Supermarkt als auch den Mietern des Ärztehauses sichert der Investor Elad neue Mietverträge zu. Der Bezirk verspricht sich eine deutliche Aufwertung dieses zentralen Platzes im Quartier.

Bis Herbst 2015 möchte die Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE am Standort des seit 18 Jahren leerstehenden Studentenwohnheims an der Treskowallee unter Einbeziehung von Teilen des Bestands rund 400 neue Wohnungen des einfachen und mittleren Segments errichten. Trotzdem werden die Quadratmetermieten bei 7 bis 10,50 Euro liegen. Baubeginn ist Ende Mai.

Rund 400 neue Studentenapartments nach Vorbild des Q216 an der Frankfurter Allee planen die Investoren Ulrich und Lakomski wiederum in einem alten Verwaltungsgebäude an der Wartenberger Straße in Alt-Hohenschönhausen. Die überdurchschnittlich hohen Mietpreise (im Q216 liegen sie bei 10,80 bis 14,30 Euro warm pro Quadratmeter) werden durch die sehr kleinen Grundrisse ab 25 Quadratmeter zumindest erschwinglich.

Einen positiven Bauvorbescheid erteilte der Bezirk für ein Projekt an der Lückstraße gegenüber der Einmündung der Weitlingstraße. 151 Wohnungen und 18 Einfamilienhäuser sollen auf der Brache errichtet werden. Zumindest prinzipiell nicht ausschließen möchte Inter IKEA, die Immobilienschwester des schwedischen Möbelkonzerns, die in London gerade ein ganzes Stadtviertel baut, die Entwicklung eines eigenen Wohnbauprojekts an der Landsberger Allee.
Obwohl der Wohnungsbau in Lichtenberg offensichtlich an Fahrt aufnimmt, wird damit nicht der zunehmende Mangel an preisgünstigem Wohnraum für Geringverdiener gelöst. Hier sind weiterhin Senat und Bund gefragt.

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