Sonntag, 21. April 2013

Wissenschaftsstadt soll städtischer werden

Aufenthaltsqualität und Wohnungsbau rücken in Adlershof in den Fokus


Bis nach Australien reicht der Ruf von Adlershof schon. Stolz verkündet Staatssekretär Henner Bunde (CDU) von der Senatswirtschaftsverwaltung, dass der australische Technologieminister Greg Combet auf seinen eigenen Wunsch soeben die Wissenschaftsstadt (WISTA) besichtigt habe. Aber auch die wirtschaftliche Entwicklung des Forschungs- und Industriestandorts stimmt die Verantwortlichen bei der Vorstellung des Jahresberichts 2012 zufrieden.

„Obwohl wir den Zusammenbruch des Adlershofer Teils der Solarmodulbranche erleben mussten“, lag die Gesamtbeschäftigtenzahl Ende 2012 mit knapp 15000 Menschen nahezu konstant gegenüber dem Vorjahr, berichtet WISTA-Geschäftsführer Hardy Rudolf Schmitz. Der Verlust von 550 Arbeitsplätzen in der Solarbranche konnte durch neue Jobs in anderen Bereichen kompensiert werden. „Das haben wir schon öfter gesehen, dass Adlershof solche Krisen durch die breite Aufstellung gut abfedern kann“, sagt Schmitz.

Umsätze, Haushalts- und Fördermittel stiegen zusammen gegenüber 2011 um 4,4 Prozent auf 1,68 Mrd. Euro. Die Umsätze der 445 Firmen des Wissenschafts- und Technologieparks stiegen um 7,8 Prozent auf 667,6 Mio. Euro und auch bei der zuletzt kriselnden Medienstadt stabilisierte sich mit 5,6 Prozent Wachstum die Lage. Das bezeichnet Schmitz als „kleines Wunder“. Hochtechnologiefirmen verzeichneten sogar 13 Prozent Wachstum.

Eine wichtige Aufgabe sei es, Adlershof nun auch zu einem „Lebensmittelpunkt“ zu machen, sagt Walter Leibl von der WISTA-Tochter Adlershof Projekt GmbH. 1200 Wohneinheiten sollen in den nächsten Jahren geschaffen werden. Rund 80 Prozent der dafür vorgesehenen Flächen seien bereits vermarktet. Neben privaten Immobilienentwicklern haben auch Wohnungsbaugenossenschaften Grundstücke erworben. „Wir verkaufen die Grundstücke zum Verkehrswert, auf die Mieten haben wir keinen Einfluss“, sagt Leibl. Von den 380 vorgesehenen Studentenwohnungen seien bereits 120 durch einen Vertrag mit dem Studentendorf Schlachtensee als Bauherr fest gesichert. „Erst wenn Studierende hier wohnen, wird eine Infrastruktur für junge Leute entstehen, die aus dem Arbeitsort Adlershof endlich auch einen Lebensort macht“, sagt Professor Peter Frensch von der Humboldt-Universität.

Leibls Ziel ist es, die Rudower Chaussee mit Ansiedlung weiterer Handels- und Dienstleistungsunternehmen zu einer städtischen Magistrale zu machen. Den Straßenbahnringschluss von Adlershof zum S-Bahnhof Schöneweide stellt er für 2016 in Aussicht. Größtes Problem aus Sicht der Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen seien fehlende Parkplätze. Auch bei Sport- und Freizeit- sowie Kinderbetreuungseinrichtungen gebe es noch Nachholbedarf.

Wichtig sei es, in Zukunft Urbanität und Aufenthaltsqualität zu verbessern, sagt WISTA-Geschäftsführer Schmitz. „Mit dem neuen Flughafen, der irgendwann kommen wird, müssen wir überlegen, wenn wir wirklich haben wollen. Wir brauchen noch mehr Strategie“, sagt er. Ob und wie sich die Krise in Südeuropa auswirken wird, könne man noch nicht sagen, so WISTA-Sprecher Peter Strunk, doch „bisher spüren wir es nicht.“

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