Mittwoch, 17. Oktober 2012

Wächter vor den Schulen

400 000 Euro noch 2012 für Sicherheit an Neuköllner Bildungseinrichtungen

 »Es geht nicht um Gewalt in der Schule«, sagt beschwörend mehrmals hintereinander Georg Krapp. Es gehe um die Herstellung einer »äußeren Sicherheit« der Schule. Er ist Leiter des einen Steinwurf von Hermannplatz und Hasenheide entfernten Neuköllner Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Das ist eine von insgesamt elf Schulen im Bezirk, vor denen seit Montag wieder Wachschützer stehen und so schulfremde Personen am Betreten der Bildungseinrichtungen hindern sollen.
»Ich freue mich sehr, dass wir den Wachschutz wieder einsetzen können, nachdem wir ihn Ende 2011 aus finanziellen Gründen aussetzen mussten«, sagt die Neuköllner Schulstadträtin Monika Giffey (SPD). Möglich machen das die 50 Millionen Euro Nachschlag, die der Senat den Berliner Bezirken für ihre Haushalte zugestanden hat. 400 000 Euro hat Neukölln für das Rumpfjahr 2012 dafür vorgesehen, 2013 sollen 600 000 Euro dafür ausgegeben werden.
»Allein an der Clay-Schule wurden 1200 Unterschriften für die Wiedereinführung gesammelt«, berichtet Giffey. Laut Statistik des Schulamtes wurden von 2008 bis 2011 rund 400 »Störfälle« an den einst 16 teilnehmenden Schulen dank des Sicherheitspersonals verhindert. »Es ist nicht das Idealbild einer Schule, Wachschützer zu haben«, sagt Giffey. Allerdings gäbe es Lagen, die dies für ein besseres Schulklima bräuchten.
»Einen Tag nach Abzug der Wächter sind auf unserem Klo Schüler auf ein Junkiepärchen gestoßen, die sich Spritzen gesetzt haben«, erzählt Schulleiter Krapp. Es gehe dabei nicht darum, Gewaltfreiheit unter Schülern herzustellen. »Das sind pädagogische Probleme, denen wir uns selber gerne annehmen.«
Derweil steht Mostafa Mousavi in seiner schwarzen Uniform vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium. Der 53-Jährige wird von einigen Schülern per Handschlag begrüßt, denn für ihn ist es eine Wiederkehr. Er stand bereits für die vorher beauftragte Wachschutzfirma hier. Nach acht Monaten Arbeitslosigkeit - aufgrund seines Alters hatte er in der Zwischenzeit keine Anstellung bekommen - freut er sich wieder da zu sein. »Farsi, türkisch, arabisch, englisch«, zählt der gebürtige Iraner seine Sprachkenntnisse auf. »Meine Tochter hat hier an der Schule ihr Abitur gemacht«, erzählt er stolz.
»Wichtig ist uns das Gefühl für den Migrationshintergrund, nicht unbedingt die Sprache«, sagt Burkhard Emonds, Marketingleiter der Rheinischen Sicherheitsdienste, die die Ausschreibung gewonnen haben. Die Wachschützer erhalten den bei Berliner Ausschreibungen verbindlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.
»Es gibt in Neukölln einen starken politischen Rückhalt für den Wachschutz«, sagt Monika Giffey, auch wenn man viele andere Ideen für das Geld habe. Jochen Biedermann von den Grünen kritisiert, dass es für die Vergabe keine objektiven Kriterien gibt. »Was macht Neukölln falsch, dass wir Wachschutz brauchen? Andere Bezirke kriegen das doch auch ohne hin«, sagt er. »Wir lehnen Wachschutz als eine unpädagogische Maßnahme ab«, sagt der Fraktionsvorsitzende der Neuköllner LINKEN, Thomas Licher. Er fordert stattdessen Drogenkonsumräume und die Verbesserung der Situation in den Schulen allgemein.