Freitag, 2. Dezember 2011

Die zweite Epidemiewelle ist vorbei

Zahl der HIV-Diagnosen und Neuinfektionen geht zurück

Ermutigende Zahlen konnte die Berliner Aids-Hilfe e. V. (BAH) bei ihrer traditionellen Jahrespressekonferenz im Vorfeld des am 1. Dezember stattfindenden Welt-Aids-Tages vermelden. Die Zahl der HIV-Neudiagnosen wird gegenüber dem Vorjahr ist bundesweit von etwa 3000 auf ca. 2800 zurückgehen, in Berlin rechnet das zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) mit rund 550 Neudiagnosen, davon 420 Neuinfektionen.
Besonders erfreulich ist die stark zurückgehende Zahl von Neuinfektionen. Aufgrund einer sogenannten Modellierung konnte das RKI erstmals statistisch zwischen tatsächlichen Neuinfektionen und erst nach längerer Infektion diagnostizierten Fällen unterscheiden. „Bisher wurden mangels anderer Möglichkeiten die beiden Begriffe gleichgesetzt“, erläutert Jens Ahrens, HIV-Referent der BAH. „Ich kann ja 2011 zum Arzt gehen und mich testen lassen und bereits sehr lange infiziert sein. Es kann aber auch sein, dass eine Neuinfektion erst in Jahren diagnostiziert wird. Durch Studien und die Rückmeldung von Krankheitsverläufen konnte sich das RKI nun ein genaueres Bild machen“, sagt Ahrens.
Als Hauptgründe für die sinkende Zahl an Neuinfektionen sieht Ahrens die relativ gute Präventionsarbeit in Deutschland und die steigende Testbereitschaft. Letzteres hat bei den Betroffenen zwei Dinge zur Folge: „Wer weiß, dass er positiv ist, gibt den Virus nicht so leicht weiter. Außerdem haben die Therapiefortschritte dazu geführt, dass unter günstigen Umständen die Person nicht mehr infektiös ist“, so Ahrens. Die Hauptinfektionsquelle ist nach wie vor Sex zwischen Männern, danach folgen heterosexuelle Kontakte und schließlich intravenöser Drogengebrauch. Dementsprechend stehen 380 Neuinfektionen bei Männern nur 40 bei Frauen gegenüber.
Um vor allem die Vorfeldprävention zu stärken, hat die BAH letztes Jahr die Kampagne „Let's talk about sex“ ins Leben gerufen. „Wenn ich jemanden kennenlerne, denke ich nicht unbedingt daran, ob ich ein Kondom dabei habe. Man sollte lange, bevor es konkret wird, darüber sprechen“, sagt René Heymann. Seine Werbeagentur hat kostenfrei in enger Zusammmenarbeit mit der BAH die Motive entwickelt. Dargestellt wird auf den Plakaten unter anderem eine werdende Mutter, die glücklich ist, trotz ihrer HIV-Infektion das Virus nicht an ihr Kind weiterzugeben.
„Wissen ist überlebenswichtig. Je früher ich weiß, dass ich infiziert bin desto früher habe ich die Chance auf eine sinnvolle Therapie“, unterstreicht Uli Meurer, Vorstandsmitglied der BAH. Prävention und die Verhinderung der Diskriminierung von Betroffenen ist das Ziel des „Schoolwork“-Projekts der Aids-Hilfe. „Mit diesem Programm können Schüler unabhängig von ihren Lehrern ihren Wissensstand überprüfen und dazulernen. Hier versuchen wir sehr früh anzusetzen“, sagt Meurer „leider ohne finanzielle Unterstützung des Senats.“ Immer wichtiger wird auch die Unterstützung von Betroffenen, sei es bei Diskriminierung am Arbeitsplatz oder das Wieder-in-Arbeit-bringen von Langzeitinfizierten. Schließlich lebt ein Fünftel aller HIV-Infizierten der Republik in Berlin.
Am Mittwoch um 18 Uhr findet der traditionelle Trauerzug der Berliner Aids-Hilfe statt, am eigentlichen Welt-Aids-Tag, dem 1. Dezember wird ein Sonderzug der S-Bahn unterwegs sein, in dem Spenden gesammelt werden, am Samstag werden berlinweit rote Schleifen gegen Spende verteilt werden.

Alle Termine unter www.berlin-aidshilfe.de
Die Homepage der Plakatkampagne: www.lets-talk-about.org

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