Freitag, 25. November 2011

Wolf auf Energie-Tour

Scheidender Wirtschaftssenator besuchte Unternehmen in Adlershof und Schöneweide

Energietechnik ist eine der zukunftsträchtigen Branchen in Berlin und Brandenburg. »Fast 5000 Unternehmen mit rund 40 000 Beschäftigten erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von 15,5 Milliarden Euro«, sagt der scheidende Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE). Als eine seiner letzten Amtshandlungen besuchte er im Vorfeld der am 23. November stattfindenden 5. Berliner Wirtschaftskonferenz zum Thema »Energie. Technik, Effizienz, Services aus Berlin« drei Unternehmen der Energietechnik.

Erste Station war ein mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) in Adlershof. Außergewöhnlich daran ist vor allem der freie Blick. Schneewittchen-gleich ist das Herz der Anlage - ein großer Gasmotor - durch große Panoramaglasscheiben vom Bürgersteig aus bewundern. Dazu informiert ein Display über die Strom- und Wärmeerzeugung und die durch die Kraft-Wärme-Kopplung eingesparten CO2-Mengen. Steffen Feodorow vom Hersteller SES-Energiesysteme berichtete vom aktuellen Trend zu kleinen BHKWs für den Hausgebrauch.

Vom aufstrebenden Adlershof mit vielen teils sehr futuristischen Neubauten führt der Weg vorbei an den vor sich hin rottenden Industriepalästen einer vergangenen Epoche in Schöneweide nach Oberspree. Seit 2006 produziert dort die mittelständische KBB Kollektorenbau Solarkollektoren für Hausdächer. »Die Hälfte der Energie weltweit wird für die Wärmeerzeugung verbraucht«, sagt Inhaber Stephan Fintelmann. Trotzdem sei das Thema Wärme in der Energiediskussion »viel zu sehr außen vor.« Bereits mit heutiger Technologie ließen sich bei Erneuerung der Heizsysteme 30 bis 40 Prozent des Energieverbrauchs einsparen. Nach Fintelmanns Überzeugung ist vor allem die Photovoltaik mit einem Wirkungsgrad von 14 Prozent gegenüber einer 80-prozentigen Effektivität bei Sonnenwärmekollektoren vollkommen überbewertet.

Vor große Herausforderungen stellt eine häufig wechselnde Förderpolitik den Kollektorenbauer. So kam es immer wieder zu sprunghaften Änderungen der Auftragslage. Von einem Jahr auf das andere verdoppelte sich die Nachfrage, um dann wieder um ein Drittel einzubrechen. »Wir exportieren inzwischen 70 Prozent unserer Produktion, obwohl wir viel lieber mehr in Deutschland verkaufen würden«, sagt Fintelmann.

Wolf zeigt sich sehr interessiert an den Ausführungen. »Gerade am Thema Energie und auch der Rekommunalisierung der Energienetze werde ich auch in Zukunft dranbleiben«, sagt er. Große Wehmut wegen seines Ausscheidens aus dem Amt fühlt er nicht, schließlich konnte er sich schon eine Weile darauf vorbereiten. Es sei auch »ein gewisses Gefühl der Freiheit und Befreiung« dabei.

Mit seiner Bilanz als Wirtschaftssenator ist er im großen und ganzen zufrieden. Unter anderem auch, weil die Zahl der Arbeitsplätze in den letzten Jahren endlich wieder gestiegen sei. Auch linke Überzeugungen konnte er durchsetzen, wie mit der Einführung eines verbindlichen Mindestlohns im Landesausschreibungsgesetz.

Eine Weile diskutiert er noch mit Fintelmann über sinnvolle Energiepolitik, um schließlich zur BAE-Batteriefabrik aufzubrechen. Die Firma wandelt sich in den letzten Jahren vom einfachen Batteriehersteller zu einem innovativen Anbieter von Gesamtsystemen. Er wird durch die Produktion geführt, lässt sich alles erklären. Den Freitag hat er sich freigenommen. »Eine Woche Resturlaub werde ich dem Land Berlin trotzdem schenken.«

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