Mittwoch, 23. März 2011

Mit der Straßenbahn nach Steglitz

Grüne stellten ihren Masterplan Tram vor: Kosten sparen mit neuer Trasse bis tief in den Westen

»Die Straßenbahn nach Steglitz wäre eine Lizenz zum Gelddrucken«, schwärmt Claudia Hämmerling von den Berliner Grünen bei der Vorstellung des Masterplans Tram. Rund 40 Kilometer neue Straßenbahnstrecken möchte die Partei im Falle einer künftigen Regierungsbeteiligung in Berlin bauen. Es handele sich dabei um ein »Schlüsselprojekt« des Wahlprogramms. Claudia Hämmerling erläutert das am Beispiel der seit Langem angedachten Strecke vom Alexanderplatz bis zum Rathaus Steglitz, momentan vom Bus M48 bedient: »Eigentlich sollte dort alle fünf Minuten ein Bus kommen, tatsächlich fahren oft drei Busse im Pulk hintereinander.«

Ließe man dort die Straßenbahnlinie M4 auf eigener Trasse mit konsequenter Ampelbevorrechtigung fahren, könnte das allein 42 000 neue Fahrgäste täglich generieren. Und das sogar mit gedehntem Takt – alle sechs bis sieben Minuten käme ein Zug. Dadurch, durch die kürzere Fahrzeit sowie die größere Kapazität von Straßenbahnzügen gegenüber Bussen, ließen sich Fahrer einsparen. Personal ist einer der größten Kostenfaktoren im ÖPNV. »Wenn man Fördermittel des Bundes einrechnet, amortisiert sich die Strecke nach 17 Jahren komplett«, sagt Hämmerling. Und das nicht abstrakt volkswirtschaftlich, sondern real für BVG und Senat durch reduzierte Betriebskosten. Dies sei sehr ungewöhnlich, da Nahverkehr sonst immer ein »Zuschussgeschäft« sei. Mit der Planung der Verlängerung wollen die Grünen daher beginnen, sobald sie an der Macht sind.

»Wir rechnen mit etwa zehn Millionen Euro Baukosten pro Kilometer«, so Hämmerling. Die zehn Kilometer kämen so auf etwa 100 Millionen Euro, Fahrzeuge und eventuell notwendige neue Betriebshöfe kämen noch dazu. »Eine U-Bahn ist 20 mal teurer«, erklärt Hämmerling. Der Bau der U5 Richtung Brandenburger Tor sei »ein schwerer Frevel an den Steuerzahlern«. Mit der gleichen Priorität soll die Verlängerung der Linie M10 von der Warschauer Straße zum Hermannplatz angegangen werden. Diese bringe zwar fast keine Einsparungen, generiere aber hohe Fahrgastzahlen.

Bei den Senatsplanungen nicht vorgesehen ist eine Nordtangente von Pankow über den Wedding zur Moabiter Turmstraße. »Das hat uns alle überrascht«, sagt Hämmerling. Denn die bisher vom Bus M27 abgedeckte Strecke hat großes Potenzial.

Ebenfalls als lohnenswert sieht man eine Strecke vom Wittenbergplatz über den Potsdamer Platz, das Hallesche Tor, entlang der Sonnenallee an, heute teilweise vom Bus M41 bedient. »Dabei rechnet sich nur die Komplettstrecke, weil so auch attraktive Langstreckenverbindungen entstehen«, so Hämmerling. Langfristig möglich sei auch eine Expressstraßenbahn entlang der Strecke der kürzlich noch einstellungsgefährdeten Linie 21 vom Frankfurter Tor nach Oberschöneweide. Hier müsste nur eine Abkürzung gebaut werden, die den Haken durch Karlshorst auslässt.

»Wie es der Senat bei den Straßen hat, brauchen wir bei der Tram eine Vorratsplanung, um bauen zu können, falls irgendwo Mittel frei werden«, fordert Hämmerling. »Verkehrsverhalten zu ändern ist nicht so leicht, wie Wärmedämmung an ein Haus zu pappen. Wir wollen das durch attraktive Angebote und nicht durch Zwang machen.«

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