Montag, 17. August 2009

Aktivieren, qualifizieren, motivieren

Junge Migranten erhalten in Schöneberg Hilfe beim Berufseinstieg

Jung, männlich, arbeitslos – gerade Männer, oder besser gesagt Jungs mit Migrationshintergrund tun sich häufig sehr schwer auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Dieser speziellen Zielgruppe widmet sich das Tandem-Projekt »Perspektive – an sich glauben«. Dabei arbeiten drei Partner zusammen, einerseits die beiden Migrantenvereine Mama Afrika e. V. und der von Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion getragene Harmonie e. V., andererseits das Nachbarschaftsheim Schöneberg e. V., einer der großen Berliner Sozialträger.
Zwei Gruppen gibt es, die jeweils einen wöchentlichen Termin haben. Die beiden Zielgruppen – Aussiedler und afrikanischstämmige Jugendliche vermischten sich nicht sonderlich. »Nur einige Aussiedlerinnen kommen mal zum Treffen der Afrikaner«, sagt Markus Fleischmann vom Nachbarschaftsheim Schöneberg. Zwar seien eigentlich männliche Jugendliche von 14 bis 20 Jahren die Zielgruppe, »aber wir schicken die Mädchen natürlich nicht weg, wenn die mitmachen wollen«, erklärt Fleischmann.
Zunächst geht es darum, einen realistischen Berufswunsch zu entwickeln. »Popstar zu werden klappt eben nur ganz selten«, sagt Fleischmann. Vor allem Dienstleistungsberufe gehörten zu den erreichbaren Zielen. Daneben werden aber auch praktische Qualifizierungen angeboten. »In unserer Medienwerkstatt geben wir interessierten Jugendlichen eine Einführung in Soundtechnik«, erläutert er. Das habe einigen bereits ein kleines Zubrot ermöglicht: »Die können dann eben alles was man so braucht, wenn zum Beispiel ein Kinderchor auftritt.« Auch wurde gemeinsam mit den Jugendlichen ein Flyer entworfen, der für Dienstleistungen wie Entrümpeln wirbt.
Doch was so einfach und sinnvoll klingt – Hilfestellung auf dem Weg in den Broterwerb, ist praktisch gar nicht so leicht. »Es war und ist gar nicht so einfach, die Leute zu erreichen«, berichtet Fleischmann. Sehr wichtig sei der Kontakt zu den Eltern, doch den herzustellen sei sehr mühsam. Wohl auch deshalb, weil der Betreuer Martin Stender selbst keinen Migrationshintergrund hat. »Die Resonanz war wesentlich geringer als angenommen«, sagt Fleischmann. An mangelndem Engagement kann das eigentlich nicht liegen. Mama Afrika und Harmonie sprechen Jugendliche direkt an, das Nachbarschaftsheim sucht den Kontakt zu Schulen in der Umgebung, bittet Lehrer in den Abschlussklassen, Flyer zu verteilen und über das Angebot zu informieren. Um die Eltern besser einzubinden werden mittlerweile gemeinsame Familienabende zum Thema Berufseinstieg angeboten.
Auch die Zusammenarbeit der Vereine untereinander ist nicht immer leicht. »Eine Gleichberechtigung ist faktisch nicht möglich«, so Fleischmann. Zwei Welten prallen aufeinander: Einerseits das etablierte und an das häufig sehr bürokratielastige Zusammenspiel mit staatlichen Stellen gewöhnte Nachbarschaftsheim, andererseits die aus Verwaltungssicht wohl anarchischen Migrantenorganisationen. Doch dieses gegenseitige Kennenlernen ist durchaus Ziel des vom Berliner Integrationsbeauftragten initiierten Programms. Denn wahrscheinlich wären viele der kleinen Vereine ohne die Transmissionsriemen der großen Sozialträger gar nicht in der Lage, die komplizierten Zuwendungsformulare korrekt auszufüllen und würden wohl ganz leer ausgehen.
Die kleinen überschaubaren Projekte sind eben auch Testballons, um zu sehen, was funktioniert und was nicht. »In unserem Falle haben wir eben gesehen wie schwierig es ist, die Zielgruppe zu erreichen«, resümiert Fleischmann.

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