Mittwoch, 10. Juni 2009

Sparen die Opern die Werkstätten kaputt?

Ver.di fürchtet um 50 Arbeitsplätze beim zentralen Bühnenservice

Die Berliner Opernstiftung steht mal wieder im Fokus. Beim Bühnenservice, dem hauseigenen Dienstleister für alles rund um Kostüm und Bühnenbild, hat sich ein neues Finanzloch aufgetan. 1,5 Millionen Euro sollen fehlen in der Finanzplanung 2010/11, sagt ver.di. Und weil die Mitarbeiter sich Sorgen um ihre Jobs machen, lud die Gewerkschaft zur Pressekonferenz.
50 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, rechnet Sabine Schöneburg von ver.di vor. »Das wäre ein Viertel unserer Mitarbeiter«, verdeutlicht Toni Winter, Leiterin der Hutmacherwerkstatt in der Französischen Straße, die Dimension. »Damit könnten wir unsere Arbeit insgesamt nicht mehr machen.«
Das Grundproblem ist nach Ansicht der Mitarbeiter, dass der Bühnenservice überhaupt keinen eigenen Etat hat und somit zwingend auf die Ausstattungsaufträge der Berliner Opern angewiesen ist. Die sind wiederum verpflichtet, beim stiftungseigenen Betrieb zu bestellen.
Doch einerseits schnurrt allein bei der Deutschen Oper die Zahl der Premieren auf nur noch vier im Jahr zusammen, andererseits lässt die Staatsoper das Bühnenbild für den Ring komplett in Mailand fertigen. »Das ist zwar eine Koproduktion, aber man hätte die Arbeit auch teilen können«, sagt Toni Winter. »Es gibt keine Sanktionen, wenn die Häuser nicht bei uns bestellen«, beklagt sie.
Dr. Axel Staisch, stellvertretender Generaldirektor der Opernstiftung sieht die Sache ganz anders: »Es gibt keine 50 Arbeitsplätze, die in Gefahr sind.« Und er sagt: »Es gibt die 1,5 Millionen Euro Deckungslücke nicht mehr.« Das habe zwar vor drei, vier Wochen noch anders ausgesehen, aber so etwas sei ja normal in der Planung. Er sei ein bisschen verärgert über die drastischen Worte von ver.di.
»Uns ist ganz klar, dass der Bühnenservice Teil der Stiftung ist«, bekräftigt Susanne Moser, geschäftsführende Direktorin der Komischen Oper. Man wolle auch keine Mitarbeiter abbauen, aber vielleicht nehme man einige Arbeitskräfte wie Schreiner wieder zurück an die Häuser. Dort seien Handwerker etwas knapp geworden.
Als großes Problem sieht Toni Winter, dass der Dialog zwischen Bühnenservice und Häusern nicht funktioniere. »Es ist sehr schwierig, Fremdaufträge anzunehmen, weil es immer wieder unvorhergesehene Bestellungen der Berliner Opern gibt«, erklärt sie. Die Aufträge von Dritten wären wichtig für eine größere Unabhängigkeit.
Die Hoffnungen aller Beteiligten ruhen auf der gerade im Bau befindlichen zentralen Bühnenwerkstatt in Friedrichshain. »Dann kämen die Synergieeffekte der Fusion wirklich zum tragen«, glaubt Winter. Zuversichtlich zeigen sich sowohl Gewerkschaft als auch Opernstiftung, was die laufenden Tarifverhandlungen betrifft: »Wir wollen am Freitag Lösungen präsentieren«, sagt Staisch.

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