Mittwoch, 10. Juni 2009

Mit der S1 nach Kleinmachnow

Eine neue Studie empfiehlt, die Stammbahn als S-Bahn zu reaktivieren

Nun soll es also eine S-Bahn sein, die den fast 30jährigen Dornröschenschlaf der Stammbahn beendet. Dies empfiehlt zumindest eine gestern vorgestellte Studie zu den Perspektiven der schon lange stillgelegten Eisenbahnlinie, die einst Zehlendorf und Potsdam schnurgerade verbunden hat.
Den Auftrag erteilten nicht die eigentlich dafür zuständigen Länder Berlin und Brandenburg, sondern der Bezirk Steglitz-Zehlendorf gemeinsam mit der Gemeinde Kleinmachnow und dem Europarc Dreilinden, eine Privatfirma, die den direkt an der Strecke liegenden Gewerbepark betreibt.
Auslöser war das negative Ergebnis einer 2008 veröffentlichten Untersuchung zur Wiederinbetriebnahme als Regionalbahnlinie. Ob es an zu wenig Fahrgastpotenzial, zu hoch angesetzten Kosten oder fehlerhaften Untersuchungsmethoden lag, darüber wird seitdem gestritten.
Die neue Studie baut darauf, die Strecke als Abzweig der S 1 in Betrieb zu nehmen. Dabei wurde das Projekt wesentlich abgespeckt. So führt die untersuchte Linie nur bis zum Gelände des Europarcs und nicht weiter nach Griebnitzsee. Auch soll die gesamte Strecke eingleisig sein, und Straßenkreuzungen werden nicht überbrückt oder untertunnelt, sondern als Bahnübergang ausgeführt. Eine Ausnahme soll die Querung der A 115 bilden: Über die Autobahn ist eine Eisenbahnbrücke geplant.
»Ich finde es allein schon aus politischer Sicht wichtig, dass dieser Lückenschluss endlich erfolgt«, sagt Uwe Stäglin (SPD), Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf. »Wir haben ein Parkplatzproblem«, erläutert Jacky Starck, Geschäftsführer des Europarc Dreilinden, seine Motivation für einen neuerlichen Vorstoß. Trotz der in Kleinmachnow eher peripheren Lage der Bahnlinie hält der Kleinmachnower Bürgermeister Michael Grubert (SPD) die Strecke für eine Möglichkeit, den aufstrebenden Ort »als Gewerbestandort attraktiver zu machen.«
Im 20-Minuten-Takt sollen die vom Potsdamer Platz kommenden und bisher in Zehlendorf endenden Verstärkerzüge der S 1 die etwas mehr als vier Kilometer lange Strecke befahren, täglich zwischen 4 Uhr morgens und 1 Uhr nachts. Zwei zusätzliche Halte, Zehlendorf Süd und Düppel-Kleinmachnow, sind neben dem Endbahnhof Kleinmachnow/Dreilinden vorgesehen.
Die Kosten für den Bau inklusive Zuschlag für Unvorhergesehenes (dazu gehört auch der eventuell wegen Anwohnerprotesten notwendige Bau von Schallschutzwänden) und die Beschaffung eines zusätzlichen S-Bahnzuges sollen bei rund 35,5 Millionen Euro liegen, je nach Streckenabschnitt werden 3380 bis 7900 Fahrgäste pro Tag erwartet. Damit ergäbe sich ein Kosten-Nutzen-Faktor von etwa 1. Ab da sind Zuschüsse von Bund und Land möglich. Deutlich höher wären Fahrgastzahlen und Nutzen, wenn an der Endstation noch ein Park&Ride-Platz gebaut wird.
»Wir hoffen, dass die Studie beim neuen Stadtentwicklungsplan Verkehr Berücksichtigung findet«, sagt Uwe Stäglin. Bisher hat der Senat nämlich dem Projekt die kalte Schulter gezeigt. Und: »Ich will hier keine neue Autobahndebatte lostreten, aber eine Ausgewogenheit von Straßen- und Schieneninvestitionen ist notwendig.«

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