Donnerstag, 3. Juli 2008

Die Beste Mensa Berlins – gibt es die überhaupt?

Pampiges Essen, pampiges Personal und das alles in Wartehallenambiente. Mensen werden traditionell solche Qualitäten zugeschrieben. Doch auch in den Studentenkantinen ist die Zeit nicht stehen geblieben: Salatbüffets, Grillstationen mit frisch zubereiteten Speisen und ein wesentlich freundlicheres Ambiente prägen heute das Bild.
All das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Hauptaugenmerk nach wie vor darauf liegt, die Massen schnell und günstig satt zu bekommen. Gerade in Berlin sind die Dimensionen durchaus bemerkenswert: 27 Kantinen und 23 Cafeterias und Coffeebars betreibt das Studentenwerk Berlin an 35 Standorten. Rund 30.000 hungrige Mäuler werden täglich gestopft. Damit ist das Studentenwerk der größte Gastronomiebetrieb der Hauptstadt.
Ganz dem Zeitgeist entsprechend fühlt man sich gewissen Standards verpflichtet: Täglich wird in den Mensen ein Biogericht angeboten, genmanipulierte Lebensmittel sind tabu und – soweit möglich – wird auch auf Konservierungsmittel verzichtet. Auch Allergie auslösende Stoffe wie glutenhaltiges Getreide, Eier, Nüsse, Milch und Milcheiweiß wurden weitgehend verbannt. Eine Datenbank der allergenen Zusatzstoffe ist im Aufbau und soll 2009 veröffentlicht werden.
Gourmetqualität darf man trotz all der Anstrengungen beim Standardangebot nicht erwarten. Massenverköstigung ist nun mal keine À-la-minute-Küche, statt bissfester Nudeln gibt es labbrige Gabelspaghetti, idealerweise locker-körniger Reis verwandelt sich in Warmhalteschüsseln innerhalb kurzer Zeit zu einer halb vertrockneten Masse, die dank der Zugabe von Fett, das ein zusammenbacken verhindern soll, auch noch eine schmierige Note erhält. Und die Fleischportionen sind mit 130 Gramm auch nicht gerade üppig bemessen.
Zentraler Einkauf und die zentrale Entwicklung von Rezepten sorgen dafür, dass die passable Essensqualität innerhalb einer gewissen Bandbreite in allen Berliner Mensen relativ vergleichbar ist. Ausreißer nach unten sind vor allem dort festzustellen, wo aufgrund fehlender Küchen die Speisen fertig angeliefert werden. So wie in der Mensa Oase am Standort Adlershof der HU. Die Entwicklung ist berlintypisch: Ursprünglich nur als provisorische Versorgungseinrichtung für das wachsende akademische Areal gedacht wurde der Status Quo zum Dauerzustand. Und nicht nur das Essen lässt zu Wünschen übrig, auch die Kapazität reicht hinten und vorne nicht aus.
Das bestätigt auch Maria (24), Geographiestudentin in Adlershof: „Die Oase meide ich.“ Da sie im Wedding wohnt, geht sie ab und zu in die Mensa der TFH in der Luxemburger Straße. „Das Essen ist dort besser, das Personal von der Freundlichkeit her oberes Mittelfeld, Ambiente Okay“, lautet ihr knappes Fazit.
„Mensen betrete ich grundsätzlich nicht“, sagt dagegen Carsten (28), Politikstudent an der FU. Das liegt nicht nur am Essen, die ganze Atmosphäre findet er „fürchterlich und abstoßend.“ So wie er denken viele und nehmen sich lieber etwas von zu Hause mit oder besuchen – soweit an abgelegenen Standorten überhaupt vorhanden – Lokale in der Nähe.
Vor allem rationale Gründe und weniger der Genuss sind ausschlaggebend für den Mensabesuch. Preis und die Schnelligkeit werden von den meisten Studenten als Hauptgründe angegeben. Der Geschmack kommt erst an dritter Stelle.
Robert (32) Philosphiestudent an der FU mit viel Zeit und schmalem Geldbeutel lässt sich bei der Mensawahl vor allem vom Ambiente leiten. Die TU-Mensa an der Hardenbergstraße sei allein schon wegen ihrer Dimensionen „unerträglich“. An einem schönen Sommertag gehört die Mensa Nord der HU zu seinen Lieblingsplätzen: „Da kann man sich nämlich schön auf den Rasen setzen.“ Doch schöne Sommerterrassen gibt es auch woanders, zum Beispiel in der Mensa I der FU im Henry-Ford-Bau mit Blick ins Grüne. Die Cafeteria Skyline im 20. Stock des Telefunken-Hochhauses bietet wiederum einen faszinierenden Blick über die Stadt.
Grit, Sozialpädagogikstudentin an der Alice-Salomon-Fachhochschule in Hellersdorf sieht die Qualitätsdiskussion beim Mensaessen eher pragmatisch: „Machen wir uns doch nichts vor. Das, was die meisten Studis sich zu Hause so reinschieben – Miracoli oder Tiefkühlpizza – ist doch die schlechtere Alternative. Bei der jährlichen Wahl zur Mensa des Jahres haben die Berliner Einrichtungen übrigens noch nie einen Pokal gewonnen. Die Sieger 2007 hießen Würzburg, Bremen und Karlsruhe.


Nicolas Šustr

www.studentenwerk-berlin.de
www.mensadesjahres.de