Mittwoch, 30. April 2008

Japan Bonsai Berlin

Kleine Bäume aus der Krummen Straße
Japan Bonsai Berlin

Alles fing 1980 an. Da machte der gelernte österreichische Koch Johannes Pfeifer in der Krummen Straße, direkt an der Ecke Kantstraße, seinen Laden auf. Asiatische Lebensmittel wollte er, den das Interesse an der Stadt nach Berlin verschlagen und die Liebe zu einer Frau hier gehalten hatte, verkaufen. Als thematisch passende Dekoration hatte er drei Bonsaibäumchen aus seiner Wohnung geholt und zwischen den Regalen aufgestellt.

Für die Lebensmittel interessierte sich die Kundschaft nicht sonderlich. „Aber alle fragten nach den Bonsais“, erinnert sich Pfeifer. Er stellte sich darauf ein und das Sortiment um. Aus dem Lebensmittelgeschäft wurde innerhalb eines Jahres „Japan Bonsai Berlin“. Die Zeit brauchte er, um sich kundig zu machen, was die Pflege der empfindlichen Baumminiaturen angeht, um verlässliche Lieferanten zu finden und um sich selbst in der neuen Rolle als Baumpate einzufinden. „Ich kam ja schließlich wie die Jungfrau zum Kind“, sagt er. Zu jener Zeit war er einer der ersten Bonsaihändler in Berlin.

Die vielen vor dem Laden stehenden Bäumchen sind ein echter Blickfang. „Wenn ich die im Winter drinnen lasse, rufen immer viele Leute bei mir an und fragen, ob ich zugemacht habe“, sagt Pfeifer schmunzelnd. Wer zu ihm kommt, muss sich auch auf viele Fragen gefasst machen. Für welchen Standort die Pflanze gedacht sei – draußen, drinnen, Bad, Küche, Büro oder Wohnzimmer, schattig, sonnig oder feucht, ob sich die Kunden mit der Pflege von Bonsais bereits auskennen, und, und, und. „Ich will ja schließlich, dass der Kunde zufrieden ist“, sagt er. Und das sei ja schließlich nicht gegeben, wenn das Bäumchen eingehe, weil die Bedingungen nicht stimmten, so Pfeifers Credo.

Mindestens 19 Euro muss man bei ihm anlegen, um einen Bonsai zu bekommen. „Das sind allerdings unsere Babies“, sagt Pfeifer. Etwa vier Jahre sind sie alt und so noch ganz am Anfang ihres Baumlebens. Die meisten Kunden geben zwischen 50 und 200 Euro für die schmucken Stücke aus. Wer will kann aber auch mehrere tausend Euro für ein Exemplar hinlegen. Je älter desto teurer lautet die Faustregel. Zu jedem Bäumchen gibt es noch einen dicken Umschlag mit genauer Pflegeanleitung, Zertifikat und Bonsaipass dazu.

Doch mit dem Verkauf ist es nicht getan. Telefonische und persönliche Beratung gehören dazu, genauso wie die Pflege und das Umtopfen der Bonsais. „Auch viele Leute, die ihr Bäumchen im Baumarkt gekauft haben, kommen zu uns“, sagt Pfeifer. Wegen seiner Liebe zu den Pflanzen versucht er, auch solche, häufig hoffnungslosen, Exemplare zu retten. Sehr beliebt ist auch die von Johannes Pfeifer angebotene Urlaubspflege. Bei längeren Urlaubsreisen muss sich die Kundschaft auf diese Weise keine Sorgen um ihre Schützlinge machen. Die Preise dafür beginnen bei 70 Cent pro Tag.

Pfeifers guter Ruf hat sich weit über Charlottenburg hinaus herumgesprochen, sogar aus Brandenburg kommen Kunden zu ihm. Darunter auch viele Prominente, wie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der schließlich auch in der Nähe wohnt. Bei einer Tasse Kaffee lässt er sich gerne Pflegetipps für seinen Bonsai geben. Warme Worte findet Johannes Pfeifer nicht nur für Wowereit, sondern auch für die von ihm regierte Stadt: „Ich könnte mir nicht mehr vorstellen woanders zu wohnen. Im deutschen Sprachraum gibt es keine spannendere Stadt.“ Und so wird sein Laden sicher noch für viele Jahre die Anlaufstelle für Bonsais in Berlin bleiben. Obwohl das ja eigentlich ganz anders geplant war.

Nicolas Šustr

Japan Bonsai Berlin, Krumme Straße 52, 10627 Berlin, Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr, Tel. 312 13 58