Freitag, 22. Juni 2007

Interview mit einem Elch

zitty ist ja jetzt moderner geworden. Warum also nicht mal ein Interview mit enem Elch?

Der Laden heißt übrigens Ron Telesky und die Pizza ist lecker!

Jetzt gibt es kanadische Pizza in Berlin. Aha. Und was unterscheidet die von amerikanischer Pizza? Dies und vieles andere wollten wir von Ron Telesky wissen. Der Elch wacht im gleichnamigen Imbiss darüber, ob die Betreiber Ole und Sebastian alles richtig machen.
Was ist denn jetzt kanadische Pizza?
Ron: Erstmal ist sie really big, so an die 60 Zentimeter im Durchmesser, aber mit schön dünnem Boden. Und die Kanadier sind auch darauf gekommen, dass es nicht immer Tomatensoße sein muss.
Sondern?
Ron: Die Unhold for Example. Mit Crème Fraîche, Pommes und Würstchen. Oder die Cronenberg Crash. Die Basis ist Korianderpesto, darauf kommt Mozzarella, Tandooritofu, Frühlingszwiebeln, Tomaten, rote Paprika und Mango. Probier mal!
Toll, sieht aus wie die grüne Hölle. Ist lecker. Bisschen scharf, bisschen süß und trotzdem Pizza. Aber was hat Dich von Kanada in einen Souterrainimbiss in Kreuzberg verschlagen?
Ron: Originally komme ich ja aus Europa, aber zur Flowerpower-Zeit bin ich eben rübergegangen. Irgendwie hatte ich auch genug von den ganzen Love-Ins und Smoke-Ins und wollte hierher zurück. Sebastian hat mir geholfen. Food and drinks wir einfach mitgenommen: Pizza, Salate, kanadisches Bier, und sogar Root Beer. Trink!
Süüüüß. Heftig. Irgendwas zwischen Malzbier und Dr. Pepper. Nur noch schlimmer.
Ron: Delicious, Banause! Eine Geschmacksexplosion. Das werdet ihr Deutschen auch noch lernen.
Kommen wir bis dahin zu den Pizzen zurück…
Ron: Selection is it! Die 23 Sorten gibt es wahlweise auch mit Vollkornteig, ohne Käse oder mit Rucola obendrauf, ohne Aufpreis. Und das Hähnchenfleisch ist organic. Die Tierchen sollen es auch gut gehabt haben.
Was kostet der Spaß?
Ron: Das ganze big wheel gibt's für 12,50 bis 20 Euro. Davon kriegst Du aber drei Leute satt. Ein Achtel auf die Schnelle kostet 2 Euro.
Lebst Du nur noch für Pizza?
No way! Ole und Sebastian werden noch ordentlich Party mit mir machen: Trash-Bike-Contests zum Beispiel. And we will bring Pizza to the world. Äh, also nach Kreuzberg. Ab Juli liefern wir auch. Wir kennen schon jede Bank am Landwehrkanal. Da kriegst Du die Pizza sogar mit Tischchen. In Kanada legen wir schließlich Wert auf Stil…
Noch ein letztes Wort?
Love and happiness!
Danke!

Ron Telesky, Kreuzberg, Dieffenbachstr. 62, U Schönleinstraße, Südstern, Tel. 61 62 11 11, tägl. 11.30-22 Uhr

Nicolas Šustr

Mittwoch, 13. Juni 2007

zitty Berlin-Film Walther-Schreiber-Platz

Steglitz war mal modern. 1970 kam das Forum Steglitz, 1971 erreichte die U-Bahn den Walther-Schreiber-Platz. Den hatte man 1958 erfunden, zu Ehren des ersten West-Berliner Bürgermeisters von der CDU. Immerhin 14 Monate regierte er die Frontstadt. Auch am Platz, eigentlich nur eine große Kreuzung, hält sich niemand lange auf. Aussteigen, einsteigen, einkaufen: Mehr kann man hier nicht machen. Der Platz hat den Blues. Die Ebbinghaus-Filiale – ein autogerechter Traum mit dreistöckigem Parkdeck auf dem Dach – steht leer. Das Hertie-Kaufhaus wartet auf seinen Abriss. Immerhin die BVG hält noch die Treue und schickt die rar gewordenen Doppeldecker im Minutentakt vorbei. Die sind wegen der Stufen zwar unpraktisch für die hauptsächlich im Berliner Südwesten anzutreffende ältere Generation, Dafür unterstreichen sie den Metropolenanspruch. Genau wie jener rote Turm an der Schnellstraßenbrücke, die etwas weiter südlich die Schloßstraße kreuzt. Die Architektur ist 70er-Jahre-Futurismus in Reinform, der Name erdet den Bau auf Steglitzer Niveau: Bierpinsel. Bald soll alles besser werden; das Forum Steglitz wird saniert, das Hertie-Haus soll ein neues Shopping-Center entstehen. Und vielleicht findet sich sogar die Steglitzer CDU mit den Ergebnissen des 2. Weltkriegs ab.