Mittwoch, 9. Mai 2007

Berliner Wochenrückblick vom 30. April bis 6. Mai 2007

Wim Wenders' Himel über Berlin läuft nach 20 Jahren wieder in den Kinos. Bei Walpurgisnacht und 1. Mai wurden insgesamt 234 Personen festgenommen. 5000 Polizisten waren im Einsatz, 43 von ihnen wurden verletzt. Auf dem Myfest feierten 50000 Menschen rund um die Oranienstraße. Dort trat auch die wiedervereinigte „Ton Steine Scherben Family“ auf. Der Schlagzeuger Funky K. Götzner ist inzwischen hauptberuflich Berater zur privaten Altersvorsorge. „Wir sind Musiker, keine Berufsrevolutionäre“, sagte er. Die Gewerkschaftsdemo am Brandenburger Tor zählte etwa 12000 Teilnehmer. „Das Schloss muss prunkvoll sein“, sagte Stararchitekt Hans Kollhoff bei einem Symposium über die Frage, was im wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss eigentlich passieren soll. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hat ein 285-Millionen-Sofortprogramm zur Rettung maroder Paläste beschlossen. Die Betreiber des Tempodroms übernehmen das Goya. Ein halbes Jahr existierte der mit Millionenaufwand im ehemaligen Metropol eingerichtete Pseudo-Promiclub. Weil er den Nachtbus verpasst hatte, wollte ein 17jähriger auf Inline-Skates über die A111 nach Hause fahren. Die Polizei griff ihn auf und fuhr ihn nach Hause. Er muss ein Bußgeld von 35 Euro zahlen. Über ein Drittel der Brandenburger wird im Jahr 2030 über 65 sein. Dem FC Union drohen die Spieler wegzulaufen. Michael Thalheimers Fledermaus-Inszenierung am Deutschen Theater ist bei der Kritik durchgefallen. Blumfeld gaben ihr Abschiedskonzert in Berlin. Bis zum Monatsende löst sich die Band auf. 85 Meter maß der rote Teppich bei der Lola-Verleihung. Diesmal waren alle Stühle gepolstert. Das Ambiente der Messehalle 20 fand Klaus Wowereit „schrecklich“. Gewinner des mit 500000 Euro dotierten Hauptpreises war das Gefängnisdrama „Vier Minuten“.Studio Babelsberg hat 2006 mit 2,75 Mio. Euro Verlust abgeschlossen. „Der Nudelauflauf war der rote Faden auf dem Heimweh-Highway seines Lebens“ sagte Susanne Kippenberger bei einer Lesung aus dem Buch über ihren Bruder Martin. Der in der Pause servierte Auflauf hätte wohl keine Gnade gefunden: „Der war viel zu gut“, meinte sie nach dem Essen. Zum ersten Mal seit Mai 2006 hielt ein ICE im Bahnhof Zoo. Grund war eine technische Störung. Am Bahntower ist wieder einer Schebe gesprungen. Die Bahn möchte für den Weiterbetrieb des Flughafen Tempelhof vor Gericht ziehen. Die Berliner WASG hat sich gespalten. Gegner der Fusion mit der PDS haben die BASG (Berliner Alternative für Solidarität und Gegenwehr) gegründet. Auch im zweiten Anlauf kommt der Love-Parade-Ersatz B-Parade nicht zustande. Stattdessen soll am 21. Juli vor dem Hauptbahnhof eine Party mit „ein paar hundert“ Besuchern stattfinden. „Auf einer Stufe mit Stanford und anderen Spitzenuniversitäten“ sieht Präsident Kurt Kutzler die Zukunft der TU. Bild und Bild am Sonntag sollen von Hamburg nach Berlin umziehen. Diesen „Wunsch der Redaktion“ verkündete Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Die Redaktion erfuhr ihren Wunsch aus der Zeitung. Andreas „Zecke“ Neuendorf verlässt Hertha zum Saisonende. Ab 2009 wird Berlin wegen steigender Steuereinnahmen wohl keine neuen Schulden mehr machen müssen. In Friedrichshain wurde der Grundstein für den Spreebalkon gelegt. Er ist Teil des Mediaspree-Konzepts. Die Mutter der vier vernachlässigten Kinder hat angefangen, die Wohnung aufzuräumen. „Ich ziehe als Schulleiter den Hut“, lobte der Direktor der Grundschule das umsichtige Verhalten der Kinder. Rot-Rot will die Erziehungshilfen nicht weiter kürzen. Das Präsidium der FU will keine Räume für eine G8-kritische Veranstaltungsreihe zur Verfügung stellen. Der U55-Tunnel am Brandenburger Tor wurde auf den Namen Ingeborg getauft. Der VBB möchte wieder ein Seniorenticket einführen. Die Wasserbetriebe führen bald ein neues Preissystem ein. Der Senat muss noch zustimmen. Das Strandbad Wannsee ist 100 Jahre alt geworden. In Schmargendorf wurde ein achtjähriges Mädchen umgebracht. Wahrscheinlich war die Mutter die Täterin. Rund 1200 Teilnehmer haben am Breitscheidplatz gegen die Zwangsversteigerung der Köpi demonstriert. Rund 1500 Menschen nahmen am Klimaschutzkongress McPlanet.com teil. Ein 32jähriger Weddinger ist in Pankow beim Inline-Skaten mit einem Lenkdrachen verunglückt. Eine Bö hob ihn sechs Meter hoch, dann stürzte er ab. Am Senefelderplatz eröffnete Europas größter Biosupermarkt. Auf 1600 Quadratmetern gibt es 18000 Bioprodukte. Das Team der TU gewann den Preis des fittesten Azubis. 9000 Läufer nahmen am Run Berlin teil. „Meine größten Sorgen sind Alkohol und Cannabis“ sagte Berlins Suchtbeauftragte Christine Köhler-Azara bei Vorstellung ihres Jahresberichts. Die Zahl der Drogentoten ist von 195 im Jahr 2005 auf 173 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Eine Fotoausstellung über Marlene Dietrichs Beerdigung vor 15 Jahren ist eröffnet worden.
Nicolas Šustr

Dienstag, 8. Mai 2007

Rauchen, raufen, saufen

Nicht nur mit Fußbodenheizung und fließend Wasser glänzte das antike Rom, auch Spelunken gehörten zu den zivilisatorischen Errungenschaften. Die waren eine Domäne des Plebs, die Oberschicht zog Zechgelage in der privaten Villa vor. Nördlich der Alpen mussten die wenigen Reisenden auf private Gastfreundschaft hoffen. Das Konzept Haferschleim und Most gegen Geld tauchte hier erst irgendwann im 12. Jahrhundert auf. Die Anfänge ähnelten den illegalen Berliner Wohnzimmerbars aus den Neunzigern: Man empfing in der privaten Stube und tischte auf, was da war. Von Süddeutschland ausgehend professionalisierte sich die Gastronomie weiter: Die Küche wurde feiner und mittels des Kerbholzes konnte man endlich auch anschreiben lassen. Doch bis auch ehrbare Damen sich in Gaststätten sehen lassen konnten, mussten noch Jahrhunderte vergehen. Vom Kerbholz über alte Wirtshausschilder, professionelle Schlaginstrumente bis zur Jukebox der 1950er Jahre sind Exponate dieser langen Geschichte in Ausstellung Gasthäuser. Geschichte und Kultur in der Domäne Dahlem zu sehen. Ein ganzer Raum widmet sich dem Haus Vaterland, einem riesigen Vergnügunspalast, der 1928 am Potsdamer Platz eröffnete. Neben Wild-West-Bar, japanischer Teestube und türkischem Kaffee gab es auch die Rheinterrasse mit künstlichem Panorama nebst stündlichem künstlichen Gewitter. Noch viel mehr erfährt man im Begleitbuch zur Ausstellung, auch das schöne Thema unorganisierte Wirtshausmusik (Foto) wird nicht ausgelassen. Das nächste Wirtshaus ist übrigens gleich schräg gegenüber. Nicolas Šustr

Bis 31. 12. 07 im Freilichtmuseum Domäne Dahlem, Königin-Luise-Str. 49, U Dahlem Dorf, Mi-Mo 10-18 Uhr, www.domaene-dahlem.de Das ansonsten vergriffene Buch ist an der Museumskasse für 14,90 Euro erhältlich.