Dienstag, 13. März 2007

Luxuskitsch fehlt

Spunk Seipel hat ein halbes Jahr Souvenirs Unter den Linden verkauft
Interview: Nicolas Šustr

Wie bist Du zu dem Job gekommen?
Nach Abschluss meines BWL- und meines Kunstgeschichtsstudium musste ich mich entscheiden, ob ich im Porzellanmuseum in Selb in der Oberpfalz arbeiten wollte oder hier in Berlin.

Hat die Arbeit Spaß gemacht?
Nun ja, es ist besser als Nachhilfe geben und schlimmer als Theke machen. Die meisten Touristen haben richtigen Sightseeing-Stress. Die wollen nicht kommunizieren, sondern nur Beweise kaufen, dass sie da gewesen sind. Die Bezahlung ist auch nicht sonderlich gut und beim Personal gibt es eine hohe Fluktuation.

Was verkauft sich am Besten?
Postkarten, Taschen und T-Shirts. Anspruchsvolle Bücher sind ziemliche Ladenhüter. Auch nach Zille und den „Berliner Luft“-Dosen kräht kein Hahn.

Kannst Du die Preise, die genommen werden, nachvollziehen?
Dass sie genommen werden ja, aber nicht, dass jemand sie zahlt. Die Buddy-Bären zum Beispiel sind bei sozialen Schichten beliebt, die sie sich meiner Meinung nach gar nicht leisten können.

Gehen die auch gut?
Ja, aber viele Touristen kapieren nicht, was der Bär mit Berlin zu tun hat. Da lernt man dann englische Begriffe wie Wappentier. Das heißt heraldic animal.

Was fehlt im Sortiment?
Luxuskitsch. Die Leute wollen noch teureres haben. Oder auch bestimme Postkartenmotive; den Funkturm hatten wir nicht. Japaner wollten Golfbälle mit Berlin-Aufdruck.

Gibt es bei den Nationalitäten Unterschiede im Kaufverhalten?
Franzosen kaufen die geschmacklosesten Porzellanartikel; Amis kaufen immer XXL, auch wenn sie schlank sind. Deutsche sind bei den Original-Mauerteilen sehr skeptisch und Russen kaufen vor allem teuer.

Und die skurrilste Kundengruppe?
Amerikaner, die auf Kreuzfahrt sind und von Hamburg aus eine Tagestour nach Berlin machen. Denen musste man immer erklären, was auf den Postkarten drauf ist.

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