Mittwoch, 7. Februar 2007

Trinken ohne Reue — Bei einigen Kneipen leidet zumindest der Geldbeutel nicht.

Billige Getränkepreise werden bei vielen Kneipen durch schlechte Gesellschaft überkompensiert. Lokalitäten zu finden, die trotz Billigbiers auch noch angenehm sind, ist die eigentliche Herausforderung. Einen Anfang machte die Internetseite www.billigsaufen.de, die zudem noch ein für diese Kategorie wichtiges Merkmal einführte, den „Auf-die-Fresse-Faktor“. Leider hat das Projekt nicht genug Zuträger und so gibt es nicht besonders viele Tipps.
Leib und Leber in Gefahr bringend stürzte ich mich also selbst ins Nachtleben. Erstmal in den Kreuzberger Trinkteufel. Ein schöner Name, der die Hobbies der Besucher (neben Kickern) relativ umfassend einkreist. 0,4 Liter Potsdamer Rex vom Fass sind für 1,60 Euro zu haben, wird es ein richtiges Gelage, gibt’s die unvermeidlichen Kurzen (Hochprozentiges) ab 1,40 Euro. Die Stimmung ist punkig-rustikal; Einrichtung, Musik und Alkpegel sind es auch. Da kann die Atmosphäre auch mal angespannt sein, aber solange man nicht mit FDP-Buttons oder schlimmerem rumläuft herrscht keine prinzipielle Feindseligkeit. Am Wochenende wird der Laden zum Sammelbecken für alle, die noch nicht genug hatten, schließlich ist dann durchgehend geöffnet.
Weiter nach Neukölln. Billiges Bier gibt’s dort an jeder Ecke, aber das Syndicat ist dazu noch angenehm. Musik von Hardcore bis Hardrock, Kicker, Billiard und eine entspannte Atmosphäre. Dazu Bavaria Pils, der halbe Liter gezapft für 2,20 Euro. Mehrere Weinsorten ab 1,80 pro Glas werden nicht nur angeboten sondern auch getrunken; das Publikum ist mangels vieler Möglichkeiten in der Gegend gemischter als im Trinkteufel und längst nicht so besoffen. Möchte man den Ruhm der Kneipe über die Bezirksgrenzen hinaustragen bietet das Haus auch Syndicat – Neukölln 44-T-Shirts an.
Viel Zeit bleibt mir nicht, mich an dem schönen Neuköllner Flecken zu erfreuen, die Arbeit fordert meine Weiterreise zum Feuermelder in Friedrichshain. Die Halbliterflasche Berliner Pilsener kostet 2 Euro, ansonsten eine Softversion des Trinkteufels, nur größer und mit etwas jüngeren Besuchern. Der „Auf-die-Fresse-Faktor“ ist vernachlässigbar und es gibt auch günstige Cocktails.
Kaum ist die Flasche geleert führt mich der Weg weiter nach Prenzlauer Berg, wo ich den Rest der Nacht verbringen werde. Das doors lockt dort mit 2,20 Euro für das Halbliterglas tschechischen Jarošov-Biers. Longdrinks schlagen mit bescheidenen 3 Euro zu Buche. Die kleine urige Kneipe war mal ein Bikertreff. Den Gästen sieht man das nicht so direkt an, eher scheint inzwischen die Nachbarschaft Gefallen gefunden zu haben. Kein Wunder, ist ja auch angenehm.
Die Preisführerschaft beim Gerstensaft kann allerdings das MorgenRot für sich verbuchen. Der linke Laden verschleudert den halben Liter Sternburg Export regelrecht für 1,20 Euro. Das Lokal ist hell und freundlich; die Nachtschwärmer sind es auch.
Ich hab immer noch einen Haufen Geld, den ich an der Endstation, dem Café Schliemann, verbraten muss. Bei 1,80 Euro pro Flasche Berliner (0,5l) nur vordergründig ein Problem. Hier findet sich immer jemand, der sich aufrichtig freut, Getränke gesponsert zu bekommen. Ein richtig schöner Absturzladen, den zu später Stunde viele als Schlusspunkt ihrer Touren wählen. Auch ein Projekt ehemaliger Hausbesetzer. Und so verbrate ich mein letztes Geld mit Tequilarunden mit einem netten polnischen Punk. Keine Ahnung, wieviel der Tequila gekostet hat. Aber gemessen am Kater kann’s nur richtig billig gewesen sein.
© Nicolas Šustr
Trinkteufel, Kreuzberg, Adalberstr. 18
Syndicat, Neukölln, Weisestr. 56
Feuermelder, Friedrichshain, Krossener Str. 24
doors, Prenzlauer Berg, Knaackstr 94
Café Morgenrot, Prenzlauer Berg, Kastanienallee 85
Café Schliemann, Prenzlauer Berg, Schliemannstr. 21

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