Mittwoch, 7. Februar 2007

Theater und Radio gleichzeitig – Die Marx Brothers Radio Show wird live von der Bühne übertragen – Laien und Profis gemeinsam auf der Bühne

Die Marx Brothers haben es posthum vollbracht: Das Berliner Maxim-Gorki-Theater ist sendefähig geworden. Andersherum gesehen, hat es der RBB-Sender Radio Eins zur Bühnenreife gebracht. Zwei sonst inkompatible Genres finden am Freitag abend zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammen: Die Aufführung der Radio Show der Marx Brothers auf der Bühne wird live im Radio übertragen.
Die amerikanischen Komödianten aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts genießen bis heute Kultstatus. Chico und Groucho Marx werden dabei von Christoph Grissemann und Dirk Stermann verkörpert, bekannt aus auf Radio Eins wöchentlich ausgestrahlten satirischen „Show Royale“. Unterstützt werden sie dabei von Schauspielern des Maxim-Gorki-Theaters, von der Radio-Eins-Band und dem ebenfalls aus Sendermitarbeitern rekrutierten „1. Internationale Radioballet“.
„Bisher hat keiner von uns nach der Schulzeit eine Theaterbühne betreten“, bekennt Wellenleiter Helmut Lehnert, der gemeinsam mit Annette Reber vom Gorkitheater die Aufführung leitet. Lehnert ist zwar „sehr aufgeregt und auch gespannt, ob die Kombination der beiden Medien gelingt“, doch sei die Show ja damals für das Radio geschrieben worden.
Das ist immerhin über 70 Jahre her. Ende 1932 gingen die zwei Marx-Brothers mit ihren abgedrehten Stories um die immer konkursbedrohte Anwaltskanzlei „Beagle, Shyster & Beagle“ auf die Bühne. Improvisation und perfektes Timing wechselten einander ab. Dazu noch Sprünge zwischen Spielszenen und selbstgestalteten Werbeblöcken; schließlich war die Show eine Werbemaßnahme für einen amerikanischen Ölkonzern.
Dem Zeitgeist entsprechend wird in der aktuellen Fassung für Getreideflocken geworben. Dafür konnte mit einer Berliner Biosupermarktkette auch ein Sponsor gefunden werden und somit findet ein richtiger Werbespot Eingang ins Theater, wohl noch eine Premiere. Lehnert legt jedoch Wert auf die Zusicherung, dass die ARD-Sponsoringrichtlinien eingehalten werden.
Mit dem Radioballett – nach Aussage der Macher eine absolute Weltpremiere – hat das Team ein zusätzliches Element in die Show eingebracht. Immerhin elf Radio-Eins-Mitarbeiter stellen eine alltägliche Radiosituation dar, wobei auch die technischen Geräte wie Mikrofone von Menschen verkörpert werden. Rebecca Rosenbauer, die die zehnminütige Einlage choreographiert hat, verspricht damit eine „besondere Zugabe“ für die Zuschauer. Da sich eine Ballettnummer nur schwer über den Äther schicken lässt, findet sie vor dem Beginn der Live-Übertragung (ab 21.03 Uhr) statt.
Das Zuschauerinteresse ist enorm, alle Karten sind bereits ausverkauft. Mit etwas Glück lässt sich noch ein Platz in der Theaterkantine ergattern, in die die Show übertragen wird. Karten gibt es für 3 Euro an der Abendkasse. Wohl alle sind gespannt, ob die Erwartungen erfüllt werden. Lehnert hofft das Beste. Schließlich ist für die aktuelle Spielzeit des Gorkitheaters monatlich eine Fortsetzung vorgesehen.
© Nicolas Šustr

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