Mittwoch, 7. Februar 2007

Polnische Weihnachtsmesse – Neben Spezialitäten hat Polen auch viel Charme zu bieten – Über 150 Aussteller zeigen Produkte aus dem Nachbarland

Zur Messeeröffnung am Freitag um 10 Uhr sind die meisten Stände noch nicht ganz fertig. Die Waren stehen schon bereit, doch an der Dekoration wird noch emsig gearbeitet. Eine Lichterkette da, eine Christbaumkugel dort, schließlich soll es auch am Gurkenstand ein bißchen weihnachtlich aussehen.. Während die Aussteller ausstattungstechnisch noch den Endspurt einlegen, streifen bereits die ersten Besucher, meist älteren Semesters, durch die Halle. Viele sind alte Hasen, die der Polnischen Weihnachtsmesse seit Jahren treu sind. Sie wissen schon, dass es noch ein bißchen dauern wird, bis die Probierhäppchen angerichtet sind.
„Wir gucken uns erstmal ein bißchen um“, sagt Edith Meinke, 56, während ihr Ehemann die Aussteller der Spirituosenimportfirma begrüßt. Das Ehepaar besucht seit der ersten Ausgabe 1995 jedes Jahr die Messe und sah sie wachsen. Was vor acht Jahren klein in der Nähe der Gedächtniskirche begann, hat sich bis heute zur nach Veranstalterangaben größten polnischen Konsumgüter-Importmesse Deutschlands entwickelt. Im Vorjahr zählten die Veranstalter in drei Tagen immerhin 24.000 Besucher.
Bis heute wird der Spagat zwischen Fach- und Publikumsmesse gewagt. Neben Anbietern von Wursterzeugnissen, Bonbons, Kunsthandwerk und Bekleidung, die ihre Waren zu meist günstigen Preisen feilbieten, finden sich ebenso Kartonageproduzenten oder Mineralwasserabfüller. Alle hoffen auf Geschäftskontakte, doch für manche lohnt sich bereits, der reine Verkauf an die Messebesucher.
Gerade die älteren Damen erliegen reihenweise dem Charme polnischer Verkäufer, meist ältere Herren, die bei der Mantelanprobe galant hinein- und hinaushelfen. Die alte Schule des Benehmens steht in Polen nach wie vor hoch im Kurs. Das wird spätestens dann klar, wenn eine Frau eine Zigarette zückt. Sofort bieten alle umstehenden Männer Feuer an.
Edith Meinke ist inzwischen beim polnischen Konfekt angekommen. Schokolierte Pflaumen und verschiedene Milchbonbons gehören da zu den Highlights. „Die sind zwar nicht so günstig, aber so lecker, dass ich nicht auf den Preis schaue“, sagt sie. Absolut empfehlenswert ist auch eine Spezialität, die wohl jeder bisher für typisch deutsch hielt: Baumkuchen, der im Vorkriegspolen als vorösterliche Delikatesse galt, nun aber zu jeder Jahreszeit angeboten wird. Bei einem Kilopreis von 10 Euro ein wirkliches Schnäppchen, wie der Andrang beweist.
Einsam sitzt dagegen die opernballtauglich gekleidete Vertreterin einer polnischen Praxis für Schönheitschirurgie an ihrem Stand. Das Messepublikum ist einfach bereits jenseits des Alters für solchen Körperkult. Frau Meinke investiert lieber in ihren Enkel. Ein Holzpuzzle hat sie für acht Euro erstanden. Jetzt will sie sich nochmal den eleganten Wintermantel mit Pelzkragen näher angucken. „Für 60 Euro praktisch geschenkt“ schwärmt sie noch, bevor der Verkäufer seine Charmeoffensive startet.
© Nicolas Šustr

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