Mittwoch, 7. Februar 2007

Kein Haschisch nirgendwo – Berliner Polizei kontrollierte Autofahrer auf Drogen- und Alkoholkonsum – Von 642 Autofahrern waren 4 betrunken.

Freitagnacht, kurz vor Mitternacht. In der Wuhlheide ist das Ärzte-Konzert gerade zu Ende gegangen. Einige hundert Meter weiter, vor der Karlshorster Pferderennbahn ist die Polizei zu Gange. Eine Verkehrskontrolle steht an. Dabei geht es nicht um Tempolimits, die Beamten wollen wissen, was die Autofahrer vorher so zu sich genommen haben, sei es Alkohol oder Drogen.
Zwei Mannschaftswagen der Polizei parken auf dem Bürgersteig, ein Polizist teilt mit rot-weißen Verkehrshütchen eine Fahrspur ab. Er trägt eine weißen Mantel mit Leuchtstreifen, um nicht übersehen zu werden. Wie auf Bestellung fährt in diesem Moment die „Straßenbahn im Dienste der Suchtprävention“ vorbei. Abschreckung ist das Ziel der Kontrolle. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion 6 sind in dieser Nacht an 13 Stellen in Ost-Berlin in dieser Nacht Posten eingerichtet, meist in der Nähe von Clubs, Discos und Musikcafés. 2003 waren bei immerhin 55 Verkehrsunfällen Drogen oder Medikamente im Spiel.
Die Beamten an der Treskowallee haben noch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen: Die Leuchtkelle, mit der die Autos herausgewunken werden sollen, leuchtet nicht. Ersatz wird angefordert. Währenddessen kramt der Einsatzleiter die Kiste mit den Drugwipes hervor. Dabei handelt es sich quasi um den Drogen-Bruder des Alkomaten. Der ist aber nicht zum Pusten, stattdessen – wipe heißt wischen – wird eine Schweiß- oder Speichelprobe genommen. „Das funktioniert praktisch wie ein Schwangerschaftstest“, erklärt der Einsatzleiter. Nach fünf Minuten verändert sich die Farbe des Indikatorfeldes. „Farbenfehlsichtigkeit verhindert die korrekte Auswertung des Tests“, vermerkt dazu die detaillierte Bedienungsanleitung. Die Trefferquote liegt nahezu bei hundert Prozent. Doch das hat seinen Preis, ein Drugwipe-Testset kostet zwölf Euro. Daher wischen die Beamten nur bei wirklichem Verdacht.
Die Ersatzkelle funktioniert. Nun werden alle paar Minuten neue Autos herausgewunken. „Guten Abend, Motor aus, Führerschein und Fahrzeugbrief bitte“ heißt es dann. Ein Fahrer, das Autoheck ziert der „Böhse Onkelz“-Schriftzug, hat nichts von alledem dabei. Er muss seinen Nissan stehenlassen. Zwei Polizisten fahren mit ihm in seine Köpenicker Wohnung, um sich die Papiere zeigen zu lassen. Das ist schon das größte Vorkommnis innerhalb einer Stunde.
Szenenwechsel. In der Puschkinallee am Treptower Park befindet sich ein weiterer Kontrollpunkt. Am Rand der dreispurigen Straße steht auch ein Herauswinker. Im Gegensatz zu seinem Karlshorster Kollegen ist er jedoch behängt wie ein Weihnachtsbaum: Neongelbe Lichterkette um den Bauch, Leuchtkelle und –stab in den Händen.
Ein in die Jahre gekommener roter Golf hält auf dem kleinen Parkplatz. Auf dem Beifahrersitz liegen Zigaretten, stangenweise, alle ohne Steuermarke. Erst wird der junge Fahrer im Gangsta-Rapper-Outfit durchsucht, danach sein Auto. Keine weiteren Funde. Er muss zur Gesa, wobei es sich leider um keine Dame sondern um das Kürzel für die Gefangenensammelstelle handelt. Dort wird er erkennungsdienstlich behandelt, sprich Fingerabdrücke genommen, Fotos gemacht etc. Der junge Mann hatte weder Alkohol noch Drogen im Blut, wurde nur dummerweise bei einer Zollstraftat erwischt. Er hat nämlich zugegeben, die Zigaretten in Polen gekauft zu haben.
Nach erfolgter Kontrolle erhält jeder Autofahrer ein Merkblatt, in dem auf die Folgen von Alkohol- oder Drogenkonsum und Auto fahren hingewiesen wird und einen Kontrollzettel. „Oh toll, den kann ich sammeln“, freut sich ein Pole, bevor ihm der Polizist erläutert, dass – sollte er an einem weiteren Posten aufgehalten werden – die Prüfung dann wesentlich schneller vonstatten geht.
Es ist wenig los, zwei Beamten spielen mit ihren Taschenlampen als seien es Star-Wars-Leuchtschwerter. „An der Mühlenstraße in Friedrichshain hätten wir schon einige herausgefischt“, sagt der Einsatzleiter. Dort ballen sich auf engstem Raum auch mehrere große Clubs und Discos. „Aber hier ist ja fast nichts in der Nähe, nur Durchgangsverkehr.“ Auch die anderen Kontrollpunkte konnten keine spektakulären Treffer vermelden: Von 642 kontrollierten Fahrern hatten vier zu viel Alkohol im Blut. Drei Drugwipe-Tests wurden durchgeführt, alle mit negativem Ergebnis.
© Nicolas Šustr

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