Mittwoch, 7. Februar 2007

Im Zeichen des Döners – 2. Lange Nacht des Döners in Berlin-Wedding

Die „Lange Nacht des Döners“ ist angebrochen und die Kap.Lan-Dönerfabrik öffnet ihre Pforten. Sie liegt in der Provinzstraße in Berlin-Wedding, die ihrem Namen gerecht wird und tatsächlich etwas ländlich wirkt. Barackenartige Gebäude säumen die Straße: Autowerkstätten, ein Supermarkt, ein Geschäft mit Campingzubehör. Am Ende des Blocks steht das Kap.Lan-Werk, zweistöckig, offensichtlich aus der Wirtschaftswunderzeit. Ein mit Marmor belegter Weg führt durch den akkurat bepflanzten Vorgarten zum Eingang.
Ein Dutzend Menschen hat sich um kurz vor vier vor dem Gebäude versammelt: Vorschulkinder mit ihren Eltern, Studenten und Rentner, alle warten auf den großen Moment. Da bittet Besitzer Remzi Kaplan auch schon hinein. Durch eine Glasscheibe fällt der Blick in die Produktionshalle. Sechs Mann sind damit beschäftigt, Kalbfleischscheiben und Kalbshack auf Spieße zu schichten. Unten erstmal mehr Scheibenfleisch, der Stabilität wegen, nach oben hin nimmt der Hackanteil zu. „Auf so einen Spieß passen bis zu 150 Kilo Fleisch“, erläutert Kaplan, bevor er die Gruppe in die Halle führt.
Eine Viertelstunde, nachdem er mit Führung und Erklärung angefangen hat, drängen sich die Besucher dicht an dicht in der Halle. Alle sind im OP-Look mit weißer Kopfhaube und Plastikschürze – „die Hygienevorschriften“ bedauert Kaplan die Umstände. „Aus einem Kilo Fleisch werden fünf bis acht fertige Döner“ führt er aus, während es immer enger wird.
Höchste Zeit, die Dönerralley zu absolvieren. „Nach wem ist der Sakir Baba Grill benannt?“ und ähnliche Fragen zu Weddinger Imbissen müssen beantwortet werden, um an der Verlosung eines Plüsch-Kuschel-Döners namens Vanessa teilnehmen zu können. Das lockt tatsächlich einige Menschen, die mit dem grünen Teilnahmeschein in der einen Hand und – wie vom Veranstalter erhofft – einem Döner in der anderen Hand die Fressbuden abklappern.
Die Podiumsdiskussion über „Die Avantgardefunktion des Döners“ fällt ins Wasser, weil die Organisatoren spontan abgesagt haben. So ist immerhin zu erfahren, dass in Wilmersdorf der „Tag der Currywurst“ begangen wird und der Chicken-Döner – wie das Original natürlich auch eine Berliner Erfindung – ein Kind der BSE-Krise ist.
Weitere Erkenntnisse à la „Handbuch des nutzlosen Wissens“ bietet die Dönertüten-Vernissage im „Holz und Farbe“. 27 Tüten, darunter Exemplare aus Helsinki (mit dem schönen Aufdruck „Freetime“), Krakau (künstlerisch wertvoller Mehrfarbdruck) und München (grün bedruckt statt im berlintypischen rot) geben Einblick in die weltweite Dönerkultur. Damit ist der intellektuelle Teil der Nacht beendet, ab Punkt 21.00 Uhr wummern „Saftige Beats mit frischem Gemüse“ aus den Boxen. Eine gute Gelegenheit, die angefutterten Kalorien abzutanzen und die Nacht noch wirklich lang zu machen.
© Nicolas Šustr

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