Mittwoch, 7. Februar 2007

Ganz Wedding isst Döner — Fast, aber kleine Widerstandsnester halten sich und einige kommen hinzu.

Nein, „Kräuter, Scharf oder Knoblauch“ ist nicht die einzige Wahl, die man im Wedding hat, wenn’s ums Essen geht. Aber nicht umsonst fand hier die Lange Nacht des Döners statt, Buden sind zuhauf vorhanden, vielleicht sogar mehr als Eckkneipen und Spielsalons zusammen. Eigentlich erstaunlich, ziehen doch seit Jahren von stadtinternen Einschätzungen unbeleckte Neu-Berliner hin und erklären trotzig, dass der Wedding doch gar nicht so schlimm sei. Mit etwas Neugier und gutem Gespür findet sich dann doch die eine oder andere Perle zwischen den Bierbrunnen und –oasen.
Beginnen wir unsere kleine Fresstour am Südzipfel der „Berliner Bronx“, dem Nordufer, beim Deichgrafen. Nichts Neues, aber ein Klassiker direkt am Kanal, der nicht durch die Einrichtung sondern die Gäste besticht. Immerhin fünf Fassbiersorten und preiswerte Gerichte locken Studenten und Einheimische in den Biergarten oder die Stube. Gleich gegenüber, im Ruchita, kocht man indisch und das sehr gut. Die reiche Auswahl beglückt auch Vegetarier, Tische im Freien sind auch vorhanden. Der Mexikaner El Nopal nebenan ist leider gerade Pleite gegangen.
Der Weg führt nun weiter Richtung Norden, zu Schupke, einer typischen Eckkneipe mit großem Biergarten, dem Deichgrafen sehr ähnlich, nur ohne Blick auf den Kanal. Einige Blocks weiter, in der Brüsseler Straße – dort wohnte übrigens Erich Honecker eine Weile – tut das Valle dei Templi das Seinige, gute Küche zu etablieren. Selbstgemachte Pasta, gute Steinofenpizza und Fischgerichte à la italiana landen hier auf den Tellern.
Das Schrader’s in der Malplaquetstraße stellt eine wirkliche Abwechslung dar. „Gehoben im Anspruch und dabei nicht geklont wirken“, so der Anspruch der Besitzer. Viele Bedürfnisse werden abgedeckt; vom Café mutiert es abends in eine veritable Cocktailbar mit über 60 Getränkemixturen im Angebot, dazu Lesungen, Ausstellungen und DJ-Beschallung.
Etwas rustikaler geht es im Café Cralle gleich in der Nähe zu, seit einem Vierteljahrhundert von einem Frauenkollektiv betrieben. Moderate Preise und Veranstaltungen wie der dienstägliche Brettspielabend sorgen in der gemütlichen Kneipe für ein volles Haus.
Ein kleiner Spaziergang an der inzwischen weitgehend entmüllten Panke entlang führt uns zur letzten Station, dem Vieng Thai. Optisch mit Büropflanzen und Wirtshauseinrichtung zwar waschechter Wedding, kulinarisch jedoch einer der besten Thailänder der Stadt, der sogar von Thais selber empfohlen wird.
© Nicolas Šustr

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