Donnerstag, 15. Februar 2007

Nicht schlafen gehen können — Ein Streifzug durch Berliner 24-Stunden-Kneipen

24-Stunden-Kneipen sind die Orte für die besonderen Momente. Vollrausch, Wahn oder Depression zum Beispiel. Oder für Menschen, die ihren Schlüssel verloren haben, sich nach der Nachtschicht noch ein Feierabendbier genehmigen wollen, oder für Liebespaare, die den Vollzug herauszögern wollen – warum auch immer.
Eines dieser Liebespaare sitzt in der Ecke des Schwarzen Cafés. Sie sitzt auf ihm, leckt ihm die Ohren aus und quiekt zwischendurch etwas. Ich bin mit einem Freund da. Er stand vor Kurzem noch selbst hinterm Tresen und will noch nicht nach Hause. Warum also nicht ins Schwarze Café, den stadtbekannten Klassiker in der Kantstraße? „Bitte nur oben“ heißt es auf dem Schild im Erdgeschoss. Von den sicher zwanzig Tischen sind nur die vier in den Raumecken besetzt. Neben uns und dem Pärchen noch von zwei nicht so innigen englischen Schwulen, die seltsamfarbige Cocktails trinken, und einem jungen Mann in Businessdress, der einen Riesenteller Essen in sich hineinschaufelt. Nicht zu vergessen der Kellner, so müde, dass er die Worte etwas vernuschelt und kaum zu verstehen ist. Wir bestellen zwei Jever, 0,4 Liter für 3 Euro. Ich gönne mir noch zwei Lachstoasts für stolze 7,50 Euro. 80er-Jahre-Spezialitäten. Wer käme heute auf die Idee, 150 Gramm Fisch auf zwei labbrige, zähe Brotscheiben zu legen? Die goldenen Zeiten sind vorbei, seit die Szene gen Osten zog. Doch nach wie vor ist der Laden weit davon entfernt, eine Spelunke zu sein. Hier kann man mit seiner Mutter reingehen, und wenn sie 80 ist.
Lieber ohne Mutti besucht man die Geisterbahn in Schöneberg. Um 6.30 Uhr tobt das Leben. Es wird Billiard gespielt, wobei laufend eine der Kugeln auf dem Boden landet. Die Jukebox spielt Trash aus den Neunzigern. Wir bestellen zwei Kindl. „Nur aus der Flasche“, sagt Engelchen. So wird die Bedienung genannt. Sie ist Mitte 20, blondiert, dauergewellt und hält mit knappen Kommandos wie „Wenn Du so weitermachst, kannste gehen“ die Gäste in Schach. Engelchen besteht auf Sofortkasse: „1,20 pro Bier!“ Ein älterer Mann schiebt den mit Deutschlandfähnchen dekorierten Putzwagen in den Gastraum, fängt an zu wischen. Eine schwarzhaarige Frau um die 30 geht auf meinen Begleiter zu, umarmt ihn, drückt ihm einen leidenschaftlichen Kuss auf die Wange und bittet ihn, Shakira auf der Jukebox auszuwählen. „Weisst Du, ich kann nicht lesen“, haucht sie. Den Euroin der Hand hält sie fest umklammert, wirft ihn aber nicht ein. Zeit für Weinbrand-Cola. Engelchen kriegt ihre 1,40. Die Shakirabegeisterte kommt wieder, will ihren Euro zurückhaben. „Dafür habe ich mir den Arsch verbrannt.“ Zeit zu gehen. Sie kommt nochmal, will sich versöhnen, bevor wir abhauen.
Bei der U-Bahn-Fahrt im Berufsverkehr haben wir viel Platz. Unser Ziel ist die Rote Rose, einen Steinwurf vom Kottbusser Tor entfernt. Hier trifft sich alles aus der Umgebung: Lesben, Schwule, Ex-Punker, ein paar Obdachlose und es gibt auch einen harten Kern von Stammgästen. Doch freitags um 8.30 Uhr ist tote Hose. Am Tresen macht ein schwarzer Schwuler den Metropolenvergleich Berlin-New York. Berlin und die Berliner schneiden schlecht ab. „Du hättest keine Chance in New York!“ ist jeder zweite Satz. Nicht mal in Berlin eine Chance hat Matthias. Er ist Mitte 50, will kein Bier mehr, aber eine „Sschigaredde“. Als er zu sehr nervt, schmeisst ihn die Bedienung raus. Wir bestellen zwei Bier (à 2,50) und zwei Weinbrand-Cola (ebenfalls 2,50), müssen Geld in die Jukebox schmeissen, um den New-York-Dozenten nicht so zu hören. Sein Gesprächspartner kann auch nicht mehr, fragt, ob er sich zu uns setzen darf. Matthias versucht in der Zwischenzeit dreimal, unauffällig wieder reinzukommen. Die Bedienung hält die Tür zu. Unser neuer Gesprächspartner fragt, ob wir nicht ins Schlawinchen in der Schönleinstraße mitkommen wollen. „Ist auch 24 Stunden offen, aber die Musik ist gratis“, sagt er. Aber schlafen ist eigentlich auch nicht so schlecht. Die Bettschwere ist da, nur über die Träume mache ich mir Sorgen...
�© Nicolas Šustr
Schwarzes Café, Charlottenburg, Kantstr. 148, S Savignyplatz, geschlossen dienstags von 3 bis 11
Geisterbahn, Schöneberg, Hauptstr. 48, S Schöneberg
Rote Rose, Kreuzberg, Adalbertstr. 90, U Kottbusser Tor


Donnerstag, 8. Februar 2007

Burn, baby burn

Geschenkt wird einem heute nichts mehr. Im Internet heißt es „Weg von der Gratiskultur“, die Post will Geld für den Nachsendeauftrag haben und auch der kleine Plausch mit dem Hausarzt schlägt mit zehn Euro zu Buche. Von den ständig steigenden Bierpreisen (Sternburg von 50 Pfennig auf 33 Cent) gar nicht zu sprechen. Wo soll man da noch Geld für Urlaub übrig haben? Zu allem Unglück wohne ich in einer bustouristikfreien Gegend; niemand will mich mit farbenfrohem Druckwerk zur Sonderfahrt „Tschechenmarkt in Eger“ inklusive wertvollem Messerset für Ehepaare verführen. Da möchte man den Glauben an die Neue Soziale Marktwirtschaft fast verlieren.

In solch schweren Stunden spendet mir der ZDF-Infokanal Trost. Das ist mein Fenster in die Welt, lässt mich mit Schminktipps, Ratschlägen zu Hausbau oder Aquaristik den Alltag vergessen. Doch auch packende Reportagen gehören zum Repertoire: Mit dem Sargdiskont auf Informationsfahrt ins tschechische Krematorium. Mit der Gratistour möchte der Berliner Billigbestatter Vorurteile abbauen helfen.

Gratis? Berlin? Ein Mittagessen ist auch dabei? Ich hechte zu den Gelben Seiten, finde sofort das Gesuchte und greife zum Telefon. Es sind noch Plätze frei. Warum ich den mitfahren wolle, möchte die korrekte und dennoch mütterliche Dame am anderen Ende der Leitung von mir wissen. Scheiße. Aber so kurz vor dem Ziel gebe ich nicht auf. „Meine Großtante“, stammele ich. Ich habe wieder die Oberhand, melde noch einen Freund mit an. Glück vermehrt sich ja schließlich, wenn man es teilt.
Neukölln, Hermannstraße. Ein Novembermorgen, kurz vor sechs. Mit Proviant und guter Laune im Ranzen verlassen wir die U-Bahn und erklimmen die Oberfläche. Links und rechts der Straße Friedhöfe, etwas aufgelockert durch Dönerbuden, Eckkneipen und Preisparadiese. Hier beginnt also die Fahrt ins Blaue.
Der Großteil unserer Mitfahrer wartet bereits am verabredeten Treffpunkt. Vor allem die reiferen Jahrgänge haben sich Plätze gesichert. Sie sind ja dem Thema auch etwas näher. Frohsinn jedoch hat kein Verfallsdatum, Scherze über versehentliche Kremierung machen die Runde. Dennoch ist eine gewisse Anspannung zu spüren; bis jetzt ist vom Bus keine Spur. Wir werden dafür etwas mißtrauisch gemustert.
Gegenüber hält ein Reisebus. Nach einigen gemurmelten Unmutsäußerungen – so war das ja nicht ausgemacht – schiebt sich ein beige-grauer Menschenkeil über die Fahrbahn, lässt den Verkehr kurz stocken. Am Gefährt angekommen schieben sie sich mit Mühe – die Knochen wollen nicht mehr so – die Stufen hinauf, plumpsen erleichtert auf die Sitze.
Vor uns sitzt nun eine knapp zweihundertpfündige Mischung aus Franz Josef Strauß und Boris Jelzin. Sein Kamerad, obwohl auch stattlichen Ausmaßes, wird regelrecht von ihm erdrückt. Links daneben sitzt – ganz allein – ein in dieser Runde jugendlich anmutender Schnurrbartträger mit dem Charme eines IG-Metall-Funktionärs. Neben uns hat ein Ehepaar Platz genommen. Sie onduliert, er hager und von Alkoholleidenschaft gezeichnet, beide 72 Jahre alt. Sie sind etwas still, ganz im Gegensatz zu den rüstigen Herren hinter uns: Ihr Steckenpferd und einziges Gesprächsthema ist die Technik.
Der Bus steht und steht. Die welken Herrschaften (es sind tatsächlich wenige Damen an Bord) werden ungeduldig. Straußjelzin windet sich aus seiner zeltartigen Jacke und entblößt mitsamt seinen Motivhosenträger (Bierkrüge und „Man gönnt sich ja sonst nichts“-Aufdrucke) auch Schenkelklopferqualitäten. 104.6 RTL komplettiert dieses Sittenbild mit „Wir sind wir“, der Chartode an unser Land und seine Leute. Vielleicht die Mitfahrt doch noch überdenken?
Frau Wutzmutz (oder so ähnlich), rechte Hand des Bestatters überprüft die Anwesenheit. Die Runde hört auf zu maulen und konzentriert sich. Alle sind gekommen, nur Frau Prügelstein hatte wohl Besseres vor. Kopfschütteln beim sensiblen Zweihundertpfünder vor mir. Er heißt übrigens Dieter. Hinter uns wird heiß diskutiert: „Aber der Pentium passt doch gar nicht auf den Sockel.“ – „Doch, das ist ja nur ein 133er. Ich hab’s selber ausprobiert.“ – „Das ist doch nur für AMD.“ – „Aber wenn ich’s Dir doch sage.“ usw. usf.
Mit feinem Quietschen kündigt die Rückkopplung den Mikroeinsatz an. Es spricht der Bestatter. „Wir mussten auf’s Fernsehteam warten“, erläutert er den Grund der Verzögerung. Der RBB, unser Drittes, möchte es dokumentarisch dem ZDF-Infokanal nachtun. Der korrekt in schwarzem Anzug gekleidete Chef des Discounts hält eine kleine Einführungsrede über Krematorium, kostenloses Mittagessen und den Leichentransporter, dem wir auf der ganzen Fahrt folgen werden.
Auch die Trauergäste an Bord vergisst er nicht zu grüßen. Dieter informiert sich währenddessen in der BZ über „Opa Lüstern“. Neben dem RBB fahren noch eine Dame vom Deutschlandradio sowie eine vorgeblichen Diplomandin mit. Die letzte geheimnisvoll jugendliche Person stellt sich als die voll im Trauerfachbetrieb engagierte Tochter heraus. Schlussendlich weist der Fahrer auf die Anschnallpflicht hin, der wir unverzüglich Folge leisten. Lieber im Kreise der Lieben sterben.
Der Chef, Frau Wutzmutz und das Fernsehteam schwärmen aus. Die Bestatter verteilen – je nach Wunsch – Wasser, Multivitaminsaft oder Kaffee. Für jedes georderte Getränk bedankt sich der Chef. Äußert man hingegen keinen Wunsch, hakt er etwas strenger nach, ob dies das letzte Wort sei. Er macht einen transsylvanischen Eindruck. Die Fragen des RBB-Reporters nach Pietät, Leichentourismus und ähnlichem stoßen auf entschiedenens, ja empörtes Unverständnis. Man sei eben nicht so eng mit den Kindern, dass sie sich um das Grab kümmern würden. Einer der Technikfans verkündet stolz, dass er schon das 888 Euro-Angebot mit Kremierung und anonymer Urnenbestattung in Tschechien gebucht habe. „Außerdem ist das ja sowieso Sudentenland und damit Heimat“ ist triumphierender Schluss seines Plädoyers pro Sarg-Discount. Andere ordnen Tschechien Schlesien zu, kommen jedoch heimattechnisch zum gleichen Schluss. Ob sie sich als fünfte Kolonne zur Rückeroberung der Heimat sehen (Erst die Friedhöfe und dann der Rest), will der verständnisvolle Reporter leider nicht wissen.
Der Chefbestatter kommt nun zum geselligen Teil der Fahrt. Links und rechts des Gangs führt er Smalltalk. Auch mit mir. Was denn so junge Menschen auf diese Fahrt führe, möchte er wissen. „Die Großtante…“, sage ich wahrheitswidrig. Das ist sein großer Einsatz: Pfarrer-Fliege-mäßig schmeisst er sich emotional-mitfühlend heran, die transsylvanische Hand verkrallt sich ebenso gefühlsstark in meiner Schulter. „Ich behalte Sie im Auge“, droht er sorgenvoll. Kalter Schauder. Gänsehaut. Mein Begleiter kämpft währenddessen hysterisch gegen Lachanfälle. Der Chef hat neue Opfer im Visier: das Ehepaar links neben mir. Ihre Mutter, seine Schwiegermutter ist unser Vorauskommando im Leichentransporter. Auch ihnen droht er verschärfte Kontrolle an, da sie noch etwas zu gefasst wirken.
Kurz vor neun, die Sonne ist aufgegangen, Dieters Kamerad hat die erste Dose Bier geleert. Zeit für eine Rast. Verschneites Sachsen. „Ick sach ma: immer schieben“, droht Dieter selbst. Die Türen öffnen sich, wir fliehen nach draußen. Kostbare Minuten der Freiheit auf dem Rastplatz. Wir horchen die angebliche Diplomandin aus – sie will ein Leichen-Roadmovie-Drehbuch schreiben. Die Deutschlandradiofrau ist aber echt.
Die Meute schiebt sich wieder in den Bus, Der transsylvanische Fliegeschüler kommt mir wieder bedrohlich nahe. Ich stelle mich schlafend. Dieter verwickelt ihn in ein Gespräch. Warum man denn nicht in Polen verbrenne, sei doch näher. Die Krematorien seien da nicht so schick und modern. Irgendwie kommen sie auf die Ukraine. Dieter: „Als Landser dort gewesen?“ – Bestatter: „Nein, zu jung!“ (Ich dachte, die werden Jahrhunderte alt) Aber tolle Wehrmachtsdevotionalien könne man da kaufen, meint Dieter. „Alles Fälschungen! Die haben da eine Fabrik dafür!“ bedauert der Bestatter. Dieter kommt auf Italien, wo es Wein mit Hitler- und Mussolinikonterfei gibt, „die Deutschen tun sich ja noch schwer damit.“ Drakula wird die Sache zu heiß, er verduftet.
Chemnitz grüsst mit Industrieruinen und blinden Wohnungsfenstern. Nur noch 30 Kilometer bis zum Ziel, die Landschaft ist friedlich eingepudert vom Schnee. Mein Begleiter und ich diskutieren, ob man einen Wunschzettel an Osama schreiben dürfe. Ausgelassene Stimmung im Bus. Drakula macht wieder seinen Kontrollgang; ich stelle mich schlafend. Seine Kralle wieder in meiner Schulter. Ist es gar Fleischeslust?
Der Untote erinnert nochmal an das Programm: Erst Trauerfeier, dann ab in die Verbrennung, dann Mittagessen – natürlich auf Kosten des Hauses. Hinter der Grenze warten die üblichen Vergnügungen: Vietnamesenmärkte, Bordelle und Tankstellen. Jede Hure am Straßenrand sorgt für großes Hallo an Bord. Der Gewerkschafter ist außer Rand und Band, johlt, winkt, will sich „mit flinker Zunge“ verwöhnen lassen. Die tote Mutti im Leichenwagen führt den Invasionstrupp weiterhin an. Nazi-Dieter, der kleine Kosmopolit, weist darauf hin, dass die Nutte ja nur tschechisch könne. Bumms, bumms, bumms verstünde sie aber noch auf Deutsch.
Es ist 12.30 Uhr. Der Chef möchte etwas besorgt noch mal „in Erinnerung rufen, dass wir auf dem Weg zu einer Beerdigung sind.“ Die Meute beruhigt sich wieder und das lachsfarbene Krematorium schon erreicht. Drakula scheucht seine Herde in den Aussegnungsraum, mahnt noch etwas zur Ruhe und verschwindet mit den sonnenbebrillten Sargträgern. Warten, tuscheln. Er kommt zurück, verkrallt sich wieder in mir, nimmt mich beiseite und sorgt sich um meinen Gemütszustand. Und ich erst.
Getragene Melodien beschallen den mit Plastikblumenkränzen vollgestellten Raum. Der Sarg wird hineingeschoben, ein älterer Mann steht auf, tritt ans Rednerpult. Es ist Drakulas Bruder. Er formuliert eine Rede so persönlich wie ein Zahlschein. Die Mutti, 100 Jahre ist sie geworden, hatte den Kaiser noch erlebt (ach was), zwei Weltkriege (soso), war ausgebildete Floristin, doch, „die Zeiten waren widrig“, arbeitete als Schuhverkäuferin. „Mutter (dramatische Pause) hat Butterbrote geschmiert“ gehört zum Arsenal seiner geistreichen Zitate. Das Ganze serviert in einem Ton, als bräche er jeden Augenblick heulend zusammen. Später wird sich der Schwiegersohn bedanken für die tolle Ansprache. Er sei ja „ein harter Knochen“, doch den Tränen war er sehr nah.
Rede fertig, Mutti wird nach hinten geschoben, zur Brennkammer. Die Rentner zücken Fotoapparate und Videokameras. Brennkammer auf, Sarg rein. Wir wenden uns der Ofenrückseite zu. Wieder die Kralle an meiner Schulter. Ich soll mich setzen. Die Verbrennungspeepshow hat begonnen. Durchs Guckloch im Ofen wird gefilmt, fotografiert oder nur geglotzt.
Dann gibt es Mittagessen im Restaurant nebenan. Freie Platzwahl, an allen Tischen sitzen bereits irgendwelche Kröten. Beim zwanglosen Gespräch über üppigen Braten-Knödel-Kraut-Portionen erfahren wir, was so übrig bleibt nach dem zweistündigen Brennvorgang: 4 Kilo Asche, Knochenreste (die werden kleingemahlen) und die Sargbeschläge (ins Altmetall). Am Nebentisch ertränkt der harte Knochen seinen Kummer in diversen Schnäpsen.
Nach dem Essen nochmal eine kurze Führung. Die Knochenmühle will dann doch niemand sehen. Die Urnen sind gefüllt und es geht zum Friedhof des 247-Seelen-Dorfes. Im Rasen werden sie vergraben. Der Bruder findet noch einige seiner unnachahmlichen Worte. Wir verschwinden in den Bus, stellen uns schlafend. Ausgelassene Stimmung an Bord.. Nazidieter macht Frau Deutschlandfunk („unsere Schneekönigin mit dem Mikro“) an. Sie übergeht das. Zweimal greift die Kralle nach mir. Um 21.43 ist der Gratistrip vorbei. Umsonst war er nicht.
© Nicolas Šustr

Wer noch das Manuskript der Reportage des Deutschlandfunks über den gleichen Trip lesen möchte: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/diereportage/1603382/


Mittwoch, 7. Februar 2007

Nordböhmen – Schwefelperle mit Herz

„Aber ich weiß ja selbst nicht, was ich des Weges so getrunken habe.“ Wenedikt Jerofejew

Nordböhmen – Schwefelperle mit Herz

Einleitung


Während andere tschechische Regionen mit Schlössern, Skigebieten oder Bierspezialitäten prahlen, bleibt Nordböhmen bescheiden. So vermerkt der „Regionalatlas Ústecký Kraj“ etwas ungelenk, dass „bestimmt hier keine einfache Feststellung gilt, dass die Region von Ústí nur ein von der Menschentätigkeit sehr verletztes Gebiet ist.“ Deutlich eleganter, wenn auch im Kern der Aussage auch kryptischer, formuliert Kreishauptmann Ing. Jiří Šulc so: „Die Landschaft hat nicht nur dank den Werken unserer Vorfahren einen unverwechselbaren Charakter.“
Lassen Sie sich von der Dialektik des Ing. Šulc nicht in die Irre führen; Nordböhmen bietet dem sanften Katastrophentouristen einiges: Braunkohletagebau und starke Industrialisierung sind die Schlagworte, die Ústí und Umgebung zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Doch Vorsicht: „Auch wenn das Gebiet um Ústí den Ruf hat, vorwiegend eine Industrieregion zu sein, so ist es doch auch ein Gebiet mit Landwirten, Obstbauern und Gemüsezüchtern“, um Ing. Šulc noch ein Mal zu Worte kommen zu lassen. Und tatsächlich: Immer wieder stören sehr schöne Landstriche die Industrieidylle. Folgen Sie also diesem kleinen Führer, um unnötige Enttäuschungen zu vermeiden.
Geschichte
Nordböhmen ist seit Urzeiten besiedelt, ab dem 13. Jahrhundert auch in Form von Städten. Reiche Kohlevorkommen sorgten seit dem 19. Jahrhundert für das inzwischen unverwechselbare Gepräge durch die Industrie und ihre üppigen Emissionen.
Etwa ¾ der Bevölkerung war deutschsprachig, was immer wieder zu tiefgreifenden Mißverständnissen führte. Nach dem reichsdeutschen Lösungsversuch von 1938 setzte sich nach dem zweiten Weltkrieg die tschechische Seite in der Minderheitenfrage in zeittypischer Manier durch. Bekannteste Hinterlassenschaft der deutschen Okkupation war das Vorzeige-Ghetto Theresienstadt, welches seinerzeit das Internationale Rote Kreuz trefflich überzeugte.
Mit großem Nachdruck versuchte die Regierung, den großflächig freigezogenen Wohnraum mit slowakischen Roma zu besiedeln. Über die Ergebnisse lässt sich streiten. Die Aufnahme des Braunkohletagebaus gab dem Landstrich eine noch herbere Note. Nach 1989 erlebte vor allem im unmittelbaren Grenzgebiet der horizontale Dienstleistungssektor einen ungeahnten Aufschwung. Eine teilweise Deindustrialisierung ermöglichte rund 20 % der Bevölkerung ein Leben frei von Zwängen, während auf manchem Berghang wieder Bäume sprießen.
Anreise
Den besten Eindruck von Land und Leuten gewinnt man bei Anfahrt von Dresden über die B170 (Grenzübergang Cínovec-Altenberg). Hier kommt vor allem der kleine Mann aus der Zone auf seine Kosten. Nicht nur Benzin, Zigaretten und schöne Gartenzwerge locken; links und rechts der Straße laden für Mitteleuropa ungewöhnlich knapp bekleidete Damen jeden Alters zu persönlichen Erkundungen böhmischer Becken ein. Romantischer Höhepunkt sind rot ausgeleuchtete wartehäuschengroßen Waldfickbuden mit hinter Panoramascheibe hübsch präsentierter Ware. Doch auch unten im Dorf gibt es reichlich Gelegenheit, sich mit aktuellen Geschlechtskrankheiten zu versorgen.
Insider-Tipp: rukou = mit der Hand, kouřit = blasen, ze zadu = von hinten
Leider ist auf Alternativrouten der Servicegedanke am Wegesrand deutlich weniger ausgeprägt. Von ihnen ist daher, ebenso wie von der deutlich schnelleren Anreise per Bahn, abzuraten.

Ústí nad Labem (Aussig)

Erstes Ziel sollte die knapp 100.000 Einwohner zählende Kreishauptstadt Ústí nad Labem sein. Schon von weitem grüßt die romantische Industriestadt am Elbufer mit rauchenden Schornsteine und behutsam in die Landschaft eingefügten Plattenbausiedlungen. Bereits früh am Abend machen sich im quirligen Zentrum die Fußgänger rar. Ein kleiner Ausgleich ist die rasant steigende Polizeidichte.

Unterkunft

Wer sich nicht im Interhotel am Friedensplatz (Mírové náměstí) einquartieren mag, dem sei wärmstens die Pension Klíšská in der gleichnamigen Straße empfohlen. Der schäbige Vorkriegsbau bietet Zwei-Personen-Suiten mit unverbaubarem Blick auf Chemiefabrik und Kaufland-Filiale bereits ab 500 Kronen (16 €).
Das Geld ist gut angelegt. Allein schon die gemütliche Sitzecke im Wohn- und Schlafraum versprüht die mondäne Nonchalance bulgarischer Spionagethriller. Dutzende Regalmeter ermöglichten es dem durchreisenden Literaten, seine Hausbibliothek unterzubringen. Masochisten werden sich schwer tun, die richtige Liege zu wählen: Soll es das Modell Brett mit Stoffbezug im angesagten 60er Jahre-Retrolook oder doch lieber die nagelbrettartige Federkern-Jugendzimmerliege der frühen 90er sein?
Insider-Tipp: Parken Sie Ihr Auto auf dem pensionseigenen Parkplatz, wenn Sie es mögen!

Nightlife

Der Nachtschwärmer hat die Wahl zwischen zweifelhaften Sportkneipen mit Spielautomaten, zweifelhaften Eckkneipen mit Spielautomaten oder Spielhallen mit Biertheke. Wer dann doch Müde geworden ist und sich an seiner Pritsche nicht stört, lässt sich vom Generatorengeräusch des naheliegenden Kraftwerks sanft in den Schlaf summen.

Stadtbummel

Für die Mahlzeiten sei Kantine im Dachgeschoss des Kaufhauses Elbe (Obchodní dům Labe), direkt am Busbahnhof gelegen, empfohlen. Mensaatmosphäre trifft auf ein erstaunlich gutes Speisenangebot.
Insider-Tipp: Am Eingang Laufzettel geben lassen und beim gehen bezahlen!
Sehenswert ist auch der Fahrstuhl. Lässig, fast teilnahmslos, auf ihrem Stuhl sitzend, verrichtet eine anscheinend von der Familie verstoßene Seniorin ihren Dienst als Liftdame in dem dreistöckigen Gebäude.
Insider-Tipp: Geben Sie kein Trinkgeld, das würde für Irritationen sorgen!
Gleich am Friedensplatz befindet sich ein ambitioniert verunglückter sozialistischer Prachtbau, der vor allem durch eine große, wannenartige, schwebende Betonkonstruktion unangenehm auffällt. Auch Busbahnhof und Markthalle sind echte Hingucker.

Was Sie nicht mehr suchen müssen

Eine Attraktion, mit der es Ústí 1999 sogar bis in die amerikanische Presse schaffte, gibt es leider nicht mehr. Eine bescheidene vier Meter hohe Mauer, die eine leicht verwahrloste Zigeunersiedlung von etwas weniger verwahrlosten Einfamilienhäusern trennte, wurde leider wieder abgerissen.

Lovosice

Kleinstadt, die sich breiig entlang der Hauptstraße ergießt. Daher das tschechische Sprichwort „Das ist lang wie Lovosice“, wenn etwas lang ist. Sitz von Lovochemie, einem berühmt-berüchtigten Chemiekomplex, der halb so groß wie die Stadt ist. Riecht ganz anständig.

Teplice (Teplitz-Schönau)

Goethe würde staunen, was aus seinem Urlaubsdomizil geworden ist. Eine schöne Autobahn durchquert dezent das Zentrum der recht unbedeutende Industriestadt. Erlangte in den 1980er Jahren gewisse Berühmtheit durch Atemschutzmasken für Kinder.
Terezín (Theresienstadt)
Idyllisches, deutlich geschichtlich belastete Städtchen, zur Nazizeit Vorzeige-Ghetto. Im ehemaligen Ghetto regt sich wieder das beschauliche Leben einer normalen Kleinstadt. Mit der Eröffnung einer deutschen Supermarktfiliale ist nach Auschwitzer Erfahrungen nicht zu rechnen.
Most (Brüx)
Die 70.000 Seelen zählende Ansiedlung ist zweifelsohne der Schwefelkristall unter den Perlen. Der Nordböhmen-Neuling ist daher gut beraten, unbedingt vorher einen Akklimatisierungsaufenthalt in Ústí einzulegen.
Trotz über 700jähriger Geschichte ist Most eine junge Stadt geblieben. Zu bewundern sind vor allem drei Jahrzehnte sozialistischen Bauschaffens. Das liegt in der allzu sorglosen Standortwahl der feudalen Stadtgründer begründet. Wer baut denn ungestraft auf einem Braunkohleflöz bester Qualität? Erst die KP fand in den 60er Jahren die Kraft, diesen historischen Irrtum durch Abriss und etwas versetzten Neuaufbau zu korrigieren. Und so entstand mit betont großzügigen Straßenfluchten eine moderne Kleinstadt der weiten Wege.
Ziemlich genau in der Mitte zwischen Most und Litvínov schlägt mit Chemopetrol das – laut Eigenwerbung – Herz der tschechischen Chemie. Eine Straßenbahnlinie verbindet die zwei Städte und den größten Chemiekomplex der Republik miteinander.
Insider-Tipp: Geschlossene Autofenster reduzieren das Vergiftungsrisiko deutlich!
Unterkunft
Das Hotel Viktor ist erste Wahl, nicht nur wegen des Schlagerpreises von 360 Kronen (12 Euro) pro Doppelzimmer. Die Originaleinrichtung aus den sechziger Jahren zeugt von damaliger Aufbruchstimmung; liebevolle Details wie grünliche Linoleumböden unterstreichen das. Sogar ein Fahrstuhl funktioniert noch.
Ebenso wie in Ústí scheint es auch in Most als Beleidigung aufgefasst zu werden, den Gästen
brauchbare Handtücher bereitzustellen. Küchentücher sind als symbolische Geste zu werten.
Insider-Tipp: Ruhig selbst Handtücher mitnehmen!
Nightlife
Im Großen und Ganzen deckt sich das Angebot mit jenem von Ústí, nur dass es weniger Auswahl gibt und früher zugemacht wird.
Insider-Tipp: Unbedingt vor 22 Uhr Essen gehen, sogar die örtliche McDonald’s-Filiale schließt um diese Uhrzeit.
Ansonsten berichtet ein tschechisches Wochenblatt von Schutzgelderpressungen und ähnlichen aufregenden Dingen in der Stadt, bei der auch die Polizei mitmacht. Leider fanden im Testzeitraum keine Schießereien statt.
Stadtbummel
Traditionsbewusstsein zeigt Most bei den Straßennamen. Nicht nur den Erbauern (ihnen widmete man sogar die zentrale Magistrale) wird gedacht, auch Moskau, die Junge Garde, die tschechoslowakische Jugend, die Friedensverteidiger, der 1. Mai, die Pioniere und sogar der Slowakische Nationalaufstand haben namenstechnisch die Wendezeit überlebt. Nur wenige tschechische Städte pflegen ihr Erbe so huldvoll.
Einen Blickfang erster Güte stellt der „Zentrum“ genannte Block dar. Aktuell befindet sich im Bassin vor dem sogenannten Repräsentationshaus das Mahnmal für die unbekannte Transe (siehe Bild). Der Künstler ist leider ebenfalls unbekannt. Ein Skateverbot am sehenswerten Landratsamt beweist die Szenetauglichkeit von Most.
Insider-Tipp: Wahre Fashion-Victims besuchen das Kaufhaus Prior. Auf zwei Etagen findet dort jeder seinen persönlichen Anti-Trend, um gegen den Strom zu schwimmen. Ideal auch für Mitbringsel!
Ein Spaziergang über die marode Eisenbahnbrücke bietet nicht nur einen herrlichen Blick auf den wenige Kilometer entfernten Chemopetrol-Komplex, sondern führt auch zum letzten Rest des alten Most: die Dekanatskirche. Die Partei ließ sich weichklopfen, den 12.000-Tonnen-Bau um 850 Meter zu verschieben, statt ihn mit abzubaggern. Nun steht er etwas im Nichts und zeigt mit dem Arsch zur Stadt. Der gute Wille zählt.
Was Sie nicht suchen müssen:
Den nächtlichen Chemiegeruch aus Ústí. Der bleibt leider unten im Braunkohleloch hängen.
Litvínov
Mosts Schwesterstadt zählt nur halb so viele Einwohner und wirkt deutlich rustikaler. Architektonisch und sozial interessant ist das 1947 begonnen und in mehreren Etappen fertiggestellte Koldům (=Kollektivhaus). Die zwei Wohnflügel des Hauses sind durch einen Riegel verbunden, der Gemeinschafträume wie Speisesäle, Kinderkrippe, Wäscherei u. ä. aufnahm. Nach dem überraschenden Scheitern des Modells nutzt nun ein Hotel einen Teil der Räume, im Rest befinden sich Wohnungen. Vielleicht treffen Sie ja eines der Mädchen auf den Fotos wieder. Die wollten erst wissen, ob wir vom Jugendamt sind, dann wollten sie Zigaretten, dann wollten sie fotografiert werden, aber nur, wenn die Bilder nicht fürs Internet sind. Von wegen Provinz.
© Nicolas Šustr

Warten, bis das Telefon klingelt – In Charlottenburg arbeiten Berlins letzte Schrankenwärter – Im August schließt Berlins letzter handbedienter Bahnüb

Jens Eggebrecht sitzt am Schreibtisch und blickt durchs Fenster. Er wartet. Nichts passiert. Draussen fährt hin und wieder ein Auto vorbei. Ab und zu auch ein Laster, der den Boden erzittern lässt. Die Wände des kleinen Häuschens, in dem er sitzt, sind in einem undefinierbaren grünblauen Farbton gehalten. Irgendjemand hat sich mal die Mühe gemacht, die Decke der besseren Isolation wegen mit Styroporplatten in Holzoptik abzukleben. Es ist überheizt.
Dann klingelt das Telefon, genauer gesagt, der Zugmeldeapparat. Auf dem schwarzen Plastikgehäuse prangen noch die Initialen der vor zwölf Jahren untergegangenen Deutschen Reichsbahn. Eggebrecht nimmt den Hörer ab. Am anderen Ende der Leitung meldet der Fahrdienstleiter aus dem Stellwerk einen herannahenden Zug. Eggebrecht geht vor das Häuschen und dreht– mit beiden Armen weit ausladend – an zwei Kurbeln. Links und rechts der Bahntrasse senken sich die acht Meter langen Schranken.
Auf dem Ruhwaldweg ruht nun der Verkehr. Vögel zwitschern. Doch dafür hat der Schrankenwärter momentan keinen Sinn. Er meldet dem Fahrdienstleiter, dass die Schranken geschlossen sind. Beachtlich viele Fahrzeuge stauen sich auf dem Ruhwaldweg, der eigentlich nur eine schmale Straße mitten durch Schrebergärten ist. Viele Autofahrer haben ihn jedoch als bequemen Schleichweg fernab von stauanfälligen Hauptstraßen entdeckt. Diesmal haben die Fahrer das Glücksspiel gegen einen der sporadischen Güterzüge verloren.
Eggebrecht zündet sich eine Zigarette an, betrachtet die stehenden Autos. Manchmal hält er ein Schwätzchen mit Schrebergärtnern aus der Nachbarschaft, aber jetzt kommt keiner vorbei. „Autofahrer wundern sich ab und zu, dass es noch Schrankenwärter gibt“, sagt er und inhaliert den nächsten Zug. Dabei steht er innerhalb eines häßlichen Stahlgitterzauns, der die Hütte samt Kurbeln umklammert. Ein viele Jahre zurückliegender nächtlicher Überfall ist der Grund für die Schutzvorkehrung. Von außerhalb des Käfigs wirkt es, als handele es sich bei dem Häuschen samt werter um ein geschütztes Exponat aus dem Technikmuseum. Von innen ergibt sich eher einen Gefängniseindruck.
Tiefes Brummen von Dieselmotoren kündigt den Zug an. Eine schwere russische Lok aus Reichsbahnbestand zieht kohlebeladene Güterwaggons, jeder größer als das Wärterhäuschen, hinter sich her. Eggebrecht beobachtet den durchfahrenden Güterzug. Auf Schäden und Besonderheiten zu achten gehört auch zu seinen Aufgaben. Der letzte Waggon hat die Kreuzung passiert. Eggebrecht kurbelt wieder und bimmelnd erheben sich die Schranken, der Straßenverkehr rollt wieder.
Vor fünf Jahren wurde der Chemnitzer an den Bahnübergang versetzt; das Stellwerk, sein früherer Arbeitsplatz, wurde geschlossen. Im August schließen sich die Schranken an Berlins letztem handbedienten Bahnübergang für immer. Dann wird die Strecke fitgemacht für den ICE, der künftig alle paar Minuten vorbeibrausen wird auf seinem Weg vom Hauptbahnhof zu Relationen nordwestlich von Berlin. Eggebrecht erwartet die nächste Versetzung. Spaß gemacht habe die Arbeit an den Schranken schon, sagt er. Und dass er hofft, wieder einen Platz im Stellwerk zu bekommen, denn: „Da ist man nicht so einsam wie hier.“. Bald beginnt die Fortbildung.
© Nicolas Šustr

Im Zeichen des Döners – 2. Lange Nacht des Döners in Berlin-Wedding

Die „Lange Nacht des Döners“ ist angebrochen und die Kap.Lan-Dönerfabrik öffnet ihre Pforten. Sie liegt in der Provinzstraße in Berlin-Wedding, die ihrem Namen gerecht wird und tatsächlich etwas ländlich wirkt. Barackenartige Gebäude säumen die Straße: Autowerkstätten, ein Supermarkt, ein Geschäft mit Campingzubehör. Am Ende des Blocks steht das Kap.Lan-Werk, zweistöckig, offensichtlich aus der Wirtschaftswunderzeit. Ein mit Marmor belegter Weg führt durch den akkurat bepflanzten Vorgarten zum Eingang.
Ein Dutzend Menschen hat sich um kurz vor vier vor dem Gebäude versammelt: Vorschulkinder mit ihren Eltern, Studenten und Rentner, alle warten auf den großen Moment. Da bittet Besitzer Remzi Kaplan auch schon hinein. Durch eine Glasscheibe fällt der Blick in die Produktionshalle. Sechs Mann sind damit beschäftigt, Kalbfleischscheiben und Kalbshack auf Spieße zu schichten. Unten erstmal mehr Scheibenfleisch, der Stabilität wegen, nach oben hin nimmt der Hackanteil zu. „Auf so einen Spieß passen bis zu 150 Kilo Fleisch“, erläutert Kaplan, bevor er die Gruppe in die Halle führt.
Eine Viertelstunde, nachdem er mit Führung und Erklärung angefangen hat, drängen sich die Besucher dicht an dicht in der Halle. Alle sind im OP-Look mit weißer Kopfhaube und Plastikschürze – „die Hygienevorschriften“ bedauert Kaplan die Umstände. „Aus einem Kilo Fleisch werden fünf bis acht fertige Döner“ führt er aus, während es immer enger wird.
Höchste Zeit, die Dönerralley zu absolvieren. „Nach wem ist der Sakir Baba Grill benannt?“ und ähnliche Fragen zu Weddinger Imbissen müssen beantwortet werden, um an der Verlosung eines Plüsch-Kuschel-Döners namens Vanessa teilnehmen zu können. Das lockt tatsächlich einige Menschen, die mit dem grünen Teilnahmeschein in der einen Hand und – wie vom Veranstalter erhofft – einem Döner in der anderen Hand die Fressbuden abklappern.
Die Podiumsdiskussion über „Die Avantgardefunktion des Döners“ fällt ins Wasser, weil die Organisatoren spontan abgesagt haben. So ist immerhin zu erfahren, dass in Wilmersdorf der „Tag der Currywurst“ begangen wird und der Chicken-Döner – wie das Original natürlich auch eine Berliner Erfindung – ein Kind der BSE-Krise ist.
Weitere Erkenntnisse à la „Handbuch des nutzlosen Wissens“ bietet die Dönertüten-Vernissage im „Holz und Farbe“. 27 Tüten, darunter Exemplare aus Helsinki (mit dem schönen Aufdruck „Freetime“), Krakau (künstlerisch wertvoller Mehrfarbdruck) und München (grün bedruckt statt im berlintypischen rot) geben Einblick in die weltweite Dönerkultur. Damit ist der intellektuelle Teil der Nacht beendet, ab Punkt 21.00 Uhr wummern „Saftige Beats mit frischem Gemüse“ aus den Boxen. Eine gute Gelegenheit, die angefutterten Kalorien abzutanzen und die Nacht noch wirklich lang zu machen.
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Kekse wie vom Zahnarzt – Münchner Künstlerin lässt Gebäck im Mund formen – Skulpturen aus Teig

Kekse backen ist keine besonders spektakuläre Angelegenheit, erst recht nicht in der Adventszeit. Angela Dorrer macht eben dies, trotzdem erregt sie damit größte Aufmerksamkeit. Ihre Kekse werden nämlich nicht einfach ausgestochen, sondern im Mund geformt. „Zähne, Zunge und Lippen kommen zum Einsatz wie Hammer und Meißel des Bildhauers“ sagt die Münchner Künstlerin. Deswegen bezeichnet sie die so entstandenen Produkte auch als Skulpturen.
Pünktlich zum 2. Advent beehrt Angela Dorrer am Sonntag nun das Berliner Zagreus Projekt mit ihrer Ausstellung „Promis, Cookies und wilde Tiere/Archiv Berlin“. Der Ort könnte passender nicht gewählt sein. Schliesslich beschäftigt sich das Projekt in Mitte mit Nahrung im weitesten Sinne, möchte eine „Schnittstelle von Galerie und gastronomischer Einrichtung“ sein. Die Teigobjekte sollen bei „Kauparties“ nicht nur betrachtet und geformt, sondern auch verzehrt werden.
„Natürlich muss niemand die Kekse essen“, sagt Dorrer. Jedoch könne sich jeder entscheiden, ob er Körpergrenzen dadurch entweder bestärken oder überschreiten möchte. Schließlich überlege sich im Laufe einer Kauparty jeder, von wem er einen Keks essen würde. Dorrer sah dabei Menschen, die nicht mal ihr eigenes Plätzchen aßen, aber auch solche, die ganze Bleche weggefuttert haben.
Begonnen hat das Ganze als Experiment auf einer kleinen Präsentation an der Kunstakademie in Montréal. „Die Kekse wurden zum Renner des Abends“, sagt die Künstlerin. Seitdem veranstaltete sie immer wieder Kauparties. Die Reaktionen auf die Idee reichen von erotischen Fantasien über Kindheitserinnerungen bis hin zu Aggressionen. Festgehalten sind die Kommentare auf von Besuchern im Tausch für einen Keks ausgefüllte Kärtchen, die auch Teil der Ausstellung werden.
Sogar eine illustre Runde von Prominenten hat bei Dorrer bereits angebissen, darunter Alice Cooper, Pedro Almodóvar, Nina Ruge oder Nicole. Dafür schmuggelte sich die Münchnerin auf verschiedene VIP-Parties ein. Besonders stolz ist sie darauf, dass es ihr gelungen ist, sich auf ein Fest des öffentlichkeitsscheuen Leo Kirch einzuschleichen. Die so erkämpften Exemplare sind, verpackt in Kunststoffdöschen, für die exklusive „Promicookies“-Kollektion bestimmt. Einige davon wurden bei Auktionen versteigert, der Rest wird weiter präsentiert.
Auch in Berlin werden die „Promicookies“ zu sehen sein. Ein Raum des Zagreus Projekts wird für die Dauer der Ausstellung das „1. Berliner Cookiemuseum“ beherbergen. Wilde Tiere, unter anderem Löwen und Krokodile, sind mit in Bronze gegossenen Gebissabdrücken vertreten. Am 7. und 14. Dezember (2. und 3. Advent) ab 18.00 Uhr veranstaltet Angela Dorrer Kauparties. Zusätzlich wird während der gesamten Ausstellungsdauer Mittwochs bis Freitags zum „Menue Surprise“ geladen (Anmeldung erforderlich), zusammengestellt nach den Wünschen der Gäste und natürlich inklusive Cookieproduktion.
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Kein Haschisch nirgendwo – Berliner Polizei kontrollierte Autofahrer auf Drogen- und Alkoholkonsum – Von 642 Autofahrern waren 4 betrunken.

Freitagnacht, kurz vor Mitternacht. In der Wuhlheide ist das Ärzte-Konzert gerade zu Ende gegangen. Einige hundert Meter weiter, vor der Karlshorster Pferderennbahn ist die Polizei zu Gange. Eine Verkehrskontrolle steht an. Dabei geht es nicht um Tempolimits, die Beamten wollen wissen, was die Autofahrer vorher so zu sich genommen haben, sei es Alkohol oder Drogen.
Zwei Mannschaftswagen der Polizei parken auf dem Bürgersteig, ein Polizist teilt mit rot-weißen Verkehrshütchen eine Fahrspur ab. Er trägt eine weißen Mantel mit Leuchtstreifen, um nicht übersehen zu werden. Wie auf Bestellung fährt in diesem Moment die „Straßenbahn im Dienste der Suchtprävention“ vorbei. Abschreckung ist das Ziel der Kontrolle. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion 6 sind in dieser Nacht an 13 Stellen in Ost-Berlin in dieser Nacht Posten eingerichtet, meist in der Nähe von Clubs, Discos und Musikcafés. 2003 waren bei immerhin 55 Verkehrsunfällen Drogen oder Medikamente im Spiel.
Die Beamten an der Treskowallee haben noch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen: Die Leuchtkelle, mit der die Autos herausgewunken werden sollen, leuchtet nicht. Ersatz wird angefordert. Währenddessen kramt der Einsatzleiter die Kiste mit den Drugwipes hervor. Dabei handelt es sich quasi um den Drogen-Bruder des Alkomaten. Der ist aber nicht zum Pusten, stattdessen – wipe heißt wischen – wird eine Schweiß- oder Speichelprobe genommen. „Das funktioniert praktisch wie ein Schwangerschaftstest“, erklärt der Einsatzleiter. Nach fünf Minuten verändert sich die Farbe des Indikatorfeldes. „Farbenfehlsichtigkeit verhindert die korrekte Auswertung des Tests“, vermerkt dazu die detaillierte Bedienungsanleitung. Die Trefferquote liegt nahezu bei hundert Prozent. Doch das hat seinen Preis, ein Drugwipe-Testset kostet zwölf Euro. Daher wischen die Beamten nur bei wirklichem Verdacht.
Die Ersatzkelle funktioniert. Nun werden alle paar Minuten neue Autos herausgewunken. „Guten Abend, Motor aus, Führerschein und Fahrzeugbrief bitte“ heißt es dann. Ein Fahrer, das Autoheck ziert der „Böhse Onkelz“-Schriftzug, hat nichts von alledem dabei. Er muss seinen Nissan stehenlassen. Zwei Polizisten fahren mit ihm in seine Köpenicker Wohnung, um sich die Papiere zeigen zu lassen. Das ist schon das größte Vorkommnis innerhalb einer Stunde.
Szenenwechsel. In der Puschkinallee am Treptower Park befindet sich ein weiterer Kontrollpunkt. Am Rand der dreispurigen Straße steht auch ein Herauswinker. Im Gegensatz zu seinem Karlshorster Kollegen ist er jedoch behängt wie ein Weihnachtsbaum: Neongelbe Lichterkette um den Bauch, Leuchtkelle und –stab in den Händen.
Ein in die Jahre gekommener roter Golf hält auf dem kleinen Parkplatz. Auf dem Beifahrersitz liegen Zigaretten, stangenweise, alle ohne Steuermarke. Erst wird der junge Fahrer im Gangsta-Rapper-Outfit durchsucht, danach sein Auto. Keine weiteren Funde. Er muss zur Gesa, wobei es sich leider um keine Dame sondern um das Kürzel für die Gefangenensammelstelle handelt. Dort wird er erkennungsdienstlich behandelt, sprich Fingerabdrücke genommen, Fotos gemacht etc. Der junge Mann hatte weder Alkohol noch Drogen im Blut, wurde nur dummerweise bei einer Zollstraftat erwischt. Er hat nämlich zugegeben, die Zigaretten in Polen gekauft zu haben.
Nach erfolgter Kontrolle erhält jeder Autofahrer ein Merkblatt, in dem auf die Folgen von Alkohol- oder Drogenkonsum und Auto fahren hingewiesen wird und einen Kontrollzettel. „Oh toll, den kann ich sammeln“, freut sich ein Pole, bevor ihm der Polizist erläutert, dass – sollte er an einem weiteren Posten aufgehalten werden – die Prüfung dann wesentlich schneller vonstatten geht.
Es ist wenig los, zwei Beamten spielen mit ihren Taschenlampen als seien es Star-Wars-Leuchtschwerter. „An der Mühlenstraße in Friedrichshain hätten wir schon einige herausgefischt“, sagt der Einsatzleiter. Dort ballen sich auf engstem Raum auch mehrere große Clubs und Discos. „Aber hier ist ja fast nichts in der Nähe, nur Durchgangsverkehr.“ Auch die anderen Kontrollpunkte konnten keine spektakulären Treffer vermelden: Von 642 kontrollierten Fahrern hatten vier zu viel Alkohol im Blut. Drei Drugwipe-Tests wurden durchgeführt, alle mit negativem Ergebnis.
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Afrikaner adoptieren einsame Europäer – Künstlerin sucht in Afrika Patenfamilien für Europäer – Europäer suchen Geborgenheit bei afrikanischen Familie

Sonntag nachmittag, Gudrun F. Widlok (37) sitzt in ihrem Büro in der Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain. Hinter ihr hängt eine Weltkarte, auf dem Schreibtisch stehen kleine Flaggen und ein Karteikasten. Sie wartet auf vermittlungswillige Kundschaft. Zielgruppe sind einsame Europäer, für die sie afrikanische Patenfamilien sucht. Das stiftet häufig Verwirrung, ist doch die klassische Arbeitsteilung umgekehrt.
Vor allem zur Weihnachtszeit landen in den Briefkästen der reichen Nationen mit vielen Bildern afrikanischer, asiatischer oder südamerikanischer Kinder illustrierte Aufrufe, für „nur zwei Euro am Tag“ Existenz und Ausbildung zu sichern. 1997 flatterte auch Gudrun F. Widlok so ein Schreiben ins Haus, und sie begann nachzudenken. Afrika-Erfahrung hatte sie bereits gesammelt, unter anderem durch die Mitarbeit beim Schlingensief-Film „United Trash“, der 1995 in Zimbabwe gedreht wurde.
Das Ergebnis ihrer Überlegungen präsentierte sie als Kunstprojekt erstmalig auf einer Ausstellung im spanischen Cuenca. Auch dort hatte sie ein kleines Büro eingerichtet, die Dekoration unterschied sich kaum von der heutigen. Dazu gab es noch Dankesschreiben begeisterter Kunden. Die hatte sie alle selbst gefertigt, es war ja ein Kunstprojekt. „Ich ließBesucher Vermittlungsbögen ausfüllen und machte Fotos von ihnen“, sagt Widlok.
Bis heute läuft die Prozedur so ab. Mit dem Unterschied, dass sie inzwischen tatsächlich Patenfamilien vermittelt hat. Was als eine irritierende Installation gedacht war, wurde zur Realität. Mit dem Preisgeld eines Kunstwettbewerbs finanzierte Widlok 2003 eine Reise nach Burkina Faso und Ghana. Mit im Gepäck waren die Anmeldebögen und Fotos der einsamen Europäer. „Als ich das Projekt in Ougadougou vorstellte, gab es erst mal Gelächter. Es war so eine Mischung aus Schadenfreude, dass den Europäern auch etwas fehlt und Freude über echtes Interesse“, sagt die Künstlerin.
Dutzende Familien waren sofort bereit, mitzumachen. Anhand der Fotos suchten sie sich jemanden aus, die Künstlerin notierte die Adressen, machte Beweisfotos von den Paten zusammen mit den Portraits der Schützlinge. Sogar eine örtliche Zeitung berichtete darüber, dass „finanziell unabhängige Europäer“ Patenfamilien suchten. Im Europa von heute fehle die Geborgenheit und familiäre Wärme, die es in Afrika immer noch gebe, hieß es weiter in dem Bericht.
Eine junge Frau betritt das Büro, möchte sich anmelden. Sie heißt Liza, ist aus Mannheim zu Besuch und „könnte eine Patenfamilie jetzt ganz gut gebrauchen“, wie sie sagt. Freunde haben ihr davon erzählt und die Idee gefiel ihr. Widlok erledigt die Formalitäten und erzählt von den Ergebnissen: „Eine Frau aus Deutschland wollte schon zu ihrer Patenfamilie fahren“ Leider wurde die Vermittelte kurz darauf schwanger, die Reise wird sich noch einige Zeit verschieben.
Die nächste Etappe ist ein Film über das Projekt. Es laufen bereits sehr konkrete Verhandlungen mit einem Fernsehsender. „Wenn das klappt, fahre ich im September nach Ghana und Anfang nächsten Jahres nach Äthiopien“, sagt die Künstlerin. Was danach geschieht, weiß sie noch nicht. Der kreative Teil der Arbeit sei eigentlich erledigt und als Künstlerin würde sie sich gerne wieder neuen Themen widmen.
Gudrun Widlok würde sich freuen, wenn „Adopted“ von jemand anders weitergeführt werden könnte. Sie hegt die stille Hoffnung, dass mehr Kontakte der Menschen untereinander die Welt verbessern können. „Es müsste sich eine unabhängige Institution für die Finanzierung finden“, sagt sie. Im Moment hofft sie noch auf viele neue Kandidaten, die sich in ihrem Büro registrieren lassen.
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Luft als Werkzeug – Ekstase aus dem Nichts – Mit der Luftgitarre in der Hand

Samstagabend, kurz nach halb neun. Am Kartenschalter des Kesselhauses der Berliner Kulturbrauerei drängen sich die Menschen. Sie wollen Zeugen der deutschen Luftgitarrenmeisterschaft werden, wollen sehen, wie auf der Bühne mit nichts in der Hand alles gegeben wird. Und, so viel sei verraten, sie werden nicht enttäuscht werden.
Derweil knutscht Kai Lachmann, 24, Student der Kulturwissenschaft und diesjähriger Brandenburger Meister der in Deutschland noch recht jungen Sportart in der VIP-Lounge, hoch über den Köpfen des Publikums, heftig mit seiner Freundin. Dazwischen holt er sich Bier oder Wodka an der Theke ab oder beantwortet die Fragen der Journalisten. Wie er denn trainiert habe, zum Beispiel: „Unter der Dusche; das Wasser ganz kalt gedreht. Da kommt das ekstatische Zittern von ganz alleine.“ Oder nach den persönlichen Siegchancen: „Ich habe nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet.“ 15 Teilnehmer sind angekündigt.
Immerhin gegen acht Mitbewerber konnte er sich so in Frankfurt/Oder durchsetzen. Wie ein Rocker sieht der sportliche Student nicht aus. Ganz im Gegensatz zum Bremer Landesmeister Okan Deniz, Künstlername Arschritzen-Yeti. Der ist klein, stämmig, trägt einen üppigen Ziegenbart und könnte so manche Schwiegermutter verschrecken. Von der einzigen Luftgitarrenspielerin Katharina Tomaschek, aka Leni Krawitzkowsky, aus dem brandenburgischen Eberswalde, ist noch nichts zu sehen. Sie hat es sich im Backstage gemütlich gemacht, in dem abermals zwei Kästen Bier verschwinden.
Um halb zehn ist die Halle mit hunderten Fans des Luftgitarrenspiels ordentlich gefüllt, Moderator Dr. Seltsam betritt die Bühne. Er animiert das Publikum, kollektiv „Spielt Luftgitarre!“ zu brüllen, was klappt. Dann grüßt den am Freitagabend bei einem Vorentscheid (von der Bühne) gefallenen Lufgitarrenhelden Melt Gibson. Ganz ungefährlich ist die Sache also nicht. Nun betreten drei echte Gitarristen, ein Bassist und ein Schlagzeuger die Bühne. Es ist die Band Cobra Jet. Eine Stunde werden sie spielen. Die Zuschauer – nur sehr wenige sind im klassischen Rocker-Outfit – goutieren es, einige tanzen.
Nach dem Konzert steigt die Stimmung weiter. Eine kurze Vorstellungsrunde und dann heißt es Bühne frei für die Kür: Jeder Luftgitarrist darf nun eine Minute zu selbstgewählter Musik seine Künste vorführen. Rocky aus München ist der erste. Er überzeugt mehr durch seine Gold-Glitter-Langhaar-Glamrockperücke als durch Technik, was die dreiköpfige Jury mit mittelprächtigen Noten quittiert.
Heart Buckboard, Vizemeister 2004, lässt sich mit einem vorbereiteten BH bewerfen, der Japaner hiRO/hABibi konterkariert ziemlich durchgeknallt harte Rocker-Attitüden, Terror T macht seinem Namen alle Ehre, verschreckt das recht brave Publikum mit einem Bierschauer und wilden Sprüngen auf die Boxen. Leni Krawitzkowsky verdreht den männlichen Zuschauern mit ihrer Performance die Köpfe. Immer wieder muss die Jury sich böse Pfiffe und Buhrufe für ihre Wertungen anhören, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut.
In der Pflicht, der zweiten Runde, holen alle Teilnehmer das Letzte aus sich heraus. Stagediving, blanker Hintern, ekstatische Akrobatik, alles, was zu Sex, Drugs and Rock’n’Roll gehört, ist mit dabei. Am Ende siegt Leni Krawitzkowsky, die einzige Frau, dank Erotik und Technik. Sie ist außer sich, gönnt sich eine Bierdusche und wird Deutschland am 26. August im finnischen Oulu, bei der 10. Luftgitarren-Weltmeisterschaft würdig vertreten.
(www.gagf.de, www.omvf.net)
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Polnische Weihnachtsmesse – Neben Spezialitäten hat Polen auch viel Charme zu bieten – Über 150 Aussteller zeigen Produkte aus dem Nachbarland

Zur Messeeröffnung am Freitag um 10 Uhr sind die meisten Stände noch nicht ganz fertig. Die Waren stehen schon bereit, doch an der Dekoration wird noch emsig gearbeitet. Eine Lichterkette da, eine Christbaumkugel dort, schließlich soll es auch am Gurkenstand ein bißchen weihnachtlich aussehen.. Während die Aussteller ausstattungstechnisch noch den Endspurt einlegen, streifen bereits die ersten Besucher, meist älteren Semesters, durch die Halle. Viele sind alte Hasen, die der Polnischen Weihnachtsmesse seit Jahren treu sind. Sie wissen schon, dass es noch ein bißchen dauern wird, bis die Probierhäppchen angerichtet sind.
„Wir gucken uns erstmal ein bißchen um“, sagt Edith Meinke, 56, während ihr Ehemann die Aussteller der Spirituosenimportfirma begrüßt. Das Ehepaar besucht seit der ersten Ausgabe 1995 jedes Jahr die Messe und sah sie wachsen. Was vor acht Jahren klein in der Nähe der Gedächtniskirche begann, hat sich bis heute zur nach Veranstalterangaben größten polnischen Konsumgüter-Importmesse Deutschlands entwickelt. Im Vorjahr zählten die Veranstalter in drei Tagen immerhin 24.000 Besucher.
Bis heute wird der Spagat zwischen Fach- und Publikumsmesse gewagt. Neben Anbietern von Wursterzeugnissen, Bonbons, Kunsthandwerk und Bekleidung, die ihre Waren zu meist günstigen Preisen feilbieten, finden sich ebenso Kartonageproduzenten oder Mineralwasserabfüller. Alle hoffen auf Geschäftskontakte, doch für manche lohnt sich bereits, der reine Verkauf an die Messebesucher.
Gerade die älteren Damen erliegen reihenweise dem Charme polnischer Verkäufer, meist ältere Herren, die bei der Mantelanprobe galant hinein- und hinaushelfen. Die alte Schule des Benehmens steht in Polen nach wie vor hoch im Kurs. Das wird spätestens dann klar, wenn eine Frau eine Zigarette zückt. Sofort bieten alle umstehenden Männer Feuer an.
Edith Meinke ist inzwischen beim polnischen Konfekt angekommen. Schokolierte Pflaumen und verschiedene Milchbonbons gehören da zu den Highlights. „Die sind zwar nicht so günstig, aber so lecker, dass ich nicht auf den Preis schaue“, sagt sie. Absolut empfehlenswert ist auch eine Spezialität, die wohl jeder bisher für typisch deutsch hielt: Baumkuchen, der im Vorkriegspolen als vorösterliche Delikatesse galt, nun aber zu jeder Jahreszeit angeboten wird. Bei einem Kilopreis von 10 Euro ein wirkliches Schnäppchen, wie der Andrang beweist.
Einsam sitzt dagegen die opernballtauglich gekleidete Vertreterin einer polnischen Praxis für Schönheitschirurgie an ihrem Stand. Das Messepublikum ist einfach bereits jenseits des Alters für solchen Körperkult. Frau Meinke investiert lieber in ihren Enkel. Ein Holzpuzzle hat sie für acht Euro erstanden. Jetzt will sie sich nochmal den eleganten Wintermantel mit Pelzkragen näher angucken. „Für 60 Euro praktisch geschenkt“ schwärmt sie noch, bevor der Verkäufer seine Charmeoffensive startet.
© Nicolas Šustr

Der Ball ist quadratisch - Tennis für Arme - Das Spiel geht bis 15

1972 erblickte Pong das Licht der Welt. Das Videospiel war das erste Produkt der Firma Atari und ist denkbar einfach gestrickt: Zwei Spieler versuchen, mit vertikalen Balken einen quadratischen Punkt daran zu hindern, das Spielfeld zu verlassen. Eine Art Bildschirmtennis also. Das Spiel ist aus, wenn ein Spieler 15 Punkte erreicht hat.
Bis heute hat sich dieses simple Vergnügen eine stattliche Anzahl Anhänger erhalten. Sie treffen sich einmal jährlich im Berliner Club Lovelite, um - da ist man unbescheiden - den Weltmeister zu ermitteln. Samstagnacht um 23.00 Uhr war es wieder so weit. Insgesamt 86 Spieler meldeten sich zum Kampf um die Ehre und den Hauptpreis, eine Berlinrundfahrt mit der Limousine.
Der Raum, in dem der Wettkampf stattfindet, ist an Schlichtheit kaum zu überbieten. Weiße Wände in gleißendem Neonlicht. In der Mitte der Arena stehen zwei Tennis-Schiedsrichterstühle, ein Videobeamer projiziert das Spiel auf die Wand gegenüber. Das ist der Center Court, Spielfeld 1. Die restlichen drei Spielfelder sind etwas schlichter an den Seiten eingerichtet.
Pünktlich zum geplanten Wettbewerbsbeginn passiert erst mal gar nichts. An den Geräten daddeln die Besucher vor sich hin. Der Nerd-Faktor, also der Anteil jener Computerhengste, die sich von Tiefkühlpizza ernähren und denen das Flimmern des Bildschirms das Tageslicht ersetzt, ist erstaunlich gering. Höchstens zwei oder drei verlieren sich in der Menge. Ganz normale Nachtschwärmer zwischen 20 und 40 Jahren füllen den Raum.
Nur am Tresen des OKZPUPDDDOPW, des „Offiziellen Komitees zur Planung und Durchführung der dritten Pong-Weltmeisterschaften“ herrscht Hektik. Die Teilnehmer werden auf die Spielfelder verteilt, Nachmeldungen angenommen. Jochen, zweimaliger Weltmeister und zufälligerweise Mitinhaber des Lovelite, kümmert sich an der Bar um die Gäste. Seine errungenen Pokale trohnen im Schnapsregal. Ob er sich vorbereitet hat? „Nee, nur einmal nachmittags beim Aufbau habe ich eine Runde gespielt“, sagt er. Alles sehr unaufgeregt.
Irgendwann beginnt der Wettbewerb, Menschentrauben starren auf die Spielfelder. Die Duellanten, hauptsächlich Männer, fummeln sehr konzentriert an den kleinen Drehreglern. Sie haben den Gesichtsausdruck von kleinen Kindern, wenn sie beim Basteln eine komplizierte Form ausschneiden müssen; die Zunge lugt im Mundwinkel heraus. Es wird im K.O.-System gespielt, wer verliert, fliegt raus.
Die Sache zieht sich. Ein Gerät fällt aus, die Luft im Raum wird schlechter, bis man sie förmlich schneiden könnte. Die Stimmung wird jedoch immer besser: Jubel, Applaus, Pfiffe, „Pong, Pong, Pong“-Anfeuerungsrufe, das simple Spiel packt die Zuschauer. Im Achtelfinale scheidet die letzte Teilnehmerin aus. Im Viertelfinale wird Jochen geschlagen. Es wird also einen neuen Weltmeister geben.
Bis der feststeht, ist es 5.00 Uhr morgens. Erstaunlich viele Besucher harren aus. Sven Assmann (31) heißt der Sieger, die Feldrichter verpassen ihm und dem halben Raum eine Sektdusche. Er kontert mit der gleichen Waffe, rutscht beim herabsteigen vom Schiedsrichterstuhl fast von der Sprosse und lächelt selig. Großes Tennis.
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Theater und Radio gleichzeitig – Die Marx Brothers Radio Show wird live von der Bühne übertragen – Laien und Profis gemeinsam auf der Bühne

Die Marx Brothers haben es posthum vollbracht: Das Berliner Maxim-Gorki-Theater ist sendefähig geworden. Andersherum gesehen, hat es der RBB-Sender Radio Eins zur Bühnenreife gebracht. Zwei sonst inkompatible Genres finden am Freitag abend zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammen: Die Aufführung der Radio Show der Marx Brothers auf der Bühne wird live im Radio übertragen.
Die amerikanischen Komödianten aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts genießen bis heute Kultstatus. Chico und Groucho Marx werden dabei von Christoph Grissemann und Dirk Stermann verkörpert, bekannt aus auf Radio Eins wöchentlich ausgestrahlten satirischen „Show Royale“. Unterstützt werden sie dabei von Schauspielern des Maxim-Gorki-Theaters, von der Radio-Eins-Band und dem ebenfalls aus Sendermitarbeitern rekrutierten „1. Internationale Radioballet“.
„Bisher hat keiner von uns nach der Schulzeit eine Theaterbühne betreten“, bekennt Wellenleiter Helmut Lehnert, der gemeinsam mit Annette Reber vom Gorkitheater die Aufführung leitet. Lehnert ist zwar „sehr aufgeregt und auch gespannt, ob die Kombination der beiden Medien gelingt“, doch sei die Show ja damals für das Radio geschrieben worden.
Das ist immerhin über 70 Jahre her. Ende 1932 gingen die zwei Marx-Brothers mit ihren abgedrehten Stories um die immer konkursbedrohte Anwaltskanzlei „Beagle, Shyster & Beagle“ auf die Bühne. Improvisation und perfektes Timing wechselten einander ab. Dazu noch Sprünge zwischen Spielszenen und selbstgestalteten Werbeblöcken; schließlich war die Show eine Werbemaßnahme für einen amerikanischen Ölkonzern.
Dem Zeitgeist entsprechend wird in der aktuellen Fassung für Getreideflocken geworben. Dafür konnte mit einer Berliner Biosupermarktkette auch ein Sponsor gefunden werden und somit findet ein richtiger Werbespot Eingang ins Theater, wohl noch eine Premiere. Lehnert legt jedoch Wert auf die Zusicherung, dass die ARD-Sponsoringrichtlinien eingehalten werden.
Mit dem Radioballett – nach Aussage der Macher eine absolute Weltpremiere – hat das Team ein zusätzliches Element in die Show eingebracht. Immerhin elf Radio-Eins-Mitarbeiter stellen eine alltägliche Radiosituation dar, wobei auch die technischen Geräte wie Mikrofone von Menschen verkörpert werden. Rebecca Rosenbauer, die die zehnminütige Einlage choreographiert hat, verspricht damit eine „besondere Zugabe“ für die Zuschauer. Da sich eine Ballettnummer nur schwer über den Äther schicken lässt, findet sie vor dem Beginn der Live-Übertragung (ab 21.03 Uhr) statt.
Das Zuschauerinteresse ist enorm, alle Karten sind bereits ausverkauft. Mit etwas Glück lässt sich noch ein Platz in der Theaterkantine ergattern, in die die Show übertragen wird. Karten gibt es für 3 Euro an der Abendkasse. Wohl alle sind gespannt, ob die Erwartungen erfüllt werden. Lehnert hofft das Beste. Schließlich ist für die aktuelle Spielzeit des Gorkitheaters monatlich eine Fortsetzung vorgesehen.
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Moderne Kunst im Wasserschloss – „Rohkunstbau“ zeigt Werke renommierter Künstler – Moderne Kunst in der Provinz – Hochkultur im Spreewald

Gurken, bemalte Ostereier, Sauerkraut. Der im Süden Brandenburgs gelegene Spreewald pflegt ein eher rustikales Image. Und doch pilgern jeden Sommer Freunde moderner Kunst in Scharen zum Wasserschloss im 700-Seelen-Dorf Groß Leuthen. Anziehungspunkt ist der „Rohkunstbau“, ein Sommerfestival, dass sich in den zwölf Jahren seiner Existenz vom Ausstellungsprojekt regionaler Künstler zu einer der renommiertesten Schauen moderner Kunst in der ganzen Region Berlin-Brandenburg entwickelt hat.
Dieses Jahr hat sich das Festival den programmatischen Titel „Kinderszenen – Child’s Play“ gegeben. In Anlehnung an Robert Schumanns Musikstück beziehen sich alle Werke mal direkt und mal subtil auf kindliche Eindrücke, Freuden und Ängste, jedoch hauptsächlich auf die Mechanismen der Erinnerung Erwachsener an ihre eigene Kindheit. Damit knüpfen Kurator Mark Gisbourne und künstlerischer Leiter Arvid Boellert auch an die Geschichte des Hauses – es diente 50 Jahre lang als Kinderheim – an.

Unangefochtener Star der Ausstellung ist die inzwischen 94-jährige Louise Bourgeois, die sich Zeit ihres künstlerischen Schaffens mit den Ängsten und Alpträumen ihrer Kindheit auseinandersetzte. „The Trauma of Abandonment“ nennt sie ihre Visualisierung von Verlustängsten anhand alter Familienfotos. Sehr verspielt setzt sich das Künstlerduo //////////fur//// mit der kindlichen Faszination für Gewalt auseinander: Im Stile eines Kasperletheaters bauten sie einen Boxautomaten. Tilman Reiff, einer der beiden Künstler, erklärt ihn als „mechanische Version eines Computerspiels.“
Via Lewandowski verschränkte bei seiner Arbeit „Schrankwand – Wandschrank“ eben einen Schrank – Ort kindlicher Versteckspiele – mit einer Wand. Laura Fords Werk, fünf komplett in Schlafanzugstoff gekleidete Kinderfiguren mit verhüllten Gesichtern, ist scheinbar niedlich, orientiert sich jedoch an einem Zeitungsbild palästinensischer Flüchtlinge. Im ehemaligen Spielzimmer baute Yann Delacour auf märkischen Sandlandschaften 12000 Yankee-Playmobilsoldaten auf. Im Kaminzimmer projiziert Michael Sailstorfer Dias, die zeigen, wie eine ganze Hütte in ihrem eigenen Ofen verheizt wird.

Nicht nur der starke Bezug zum Ausstellungsort, sondern auch die Einbindung der umliegenden Bevölkerung, vor allem der Jugend durch Kunstprojekte an den örtlichen Schulen gehört zum „Rohkunstbau“-Konzept. „Mehr als die Hälfte unserer Besucher kommt aus der Region“, sagt Arvid Böllert stolz. Das ist für Hochkultur, eine eher urbane Angelegenheit, wirklich ungewöhnlich.
Dazu trägt vor allem das umfangreiche Rahmenprogramm bei. Vor allem das freitägliche Open-Air-Kino, aber auch die sonntäglichen Lesungen schätzen die Anwohner. Bei Berlinern hoch im Kurs steht das immer samstags stattfindende Bühnenprogramm. Das liegt nicht nur an den hochkarätigen Kooperationspartnern aus der Hauptstadt, wie den Sophiensaelen, dem Theater Hebbel am Ufer oder Dock 11, sondern auch am angebotenen Busshuttle. Ein weiteres Lockmittel ist die stets angepriesene Bademöglichkeit direkt vor der Schlosspforte.

Die Mischung aus Kultur und Natur kommt an: Jahr für Jahr entdecken mehr Menschen aus Stadt und Land diesen kulturellen Leuchtturm im Spreewald. Die Kinder aus dem Dorf dürfen sich ganz besonders auf den 28. August – den letzten des „Rohkunstbau“ freuen. Dann können sie nämlich alle 12000 Playmobil-Figuren mit nach Hause nehmen.
© Nicolas Šustr

Schlittenhunderennen in der Lausitz

Schnee, so weit das Auge reicht. Die Luft ist so kalt, dass jeder Atemzug schmerzt. In den Bärten der Männer gefriert der Atem zu kleinen Eiszapfen. Die Ohren tun weh vom unermüdlichen Bellen und Jaulen der Huskies. So stellt man sich ungefähr das Szenario bei einem richtigen Schlittenhunderennen vor.
So ganz kommt die Natur den menschlichen Wünschen nicht entgegen. Mit Schnee und Eis darf man Ende Oktober in der Lausitz wirklich nicht rechnen. Trotzdem verspricht der Lausitzer Sportverein reinrassiger Schlittenhunde e. V. für das Rennen am Wochenende richtiges Alaska-Feeling. Die Veranstalter müssen es ja wissen, schließlich findet der Wettbewerb schon zum 9. Mal in Spremberg statt. Um die 70 Teilnehmer mit rund 200 Hunden nehmen alljährlich teil. Der Witterung entsprechend haben die Schlitten Räder statt Kufen.
Auf Schnee sei man nicht so angewiesen, aber auf kühlere Temperaturen schon, erzählt Frau Barlag vom Verein. "Im Sommer soll man keinen Hund scheuchen", sagt sie. Ist es wärmer als 15 Grad Celsius, artet für die Vierbeiner der Spaß in Überforderung aus. Das dichte Fell der Schlittenhunde ist schließlich für arktische Temperaturen ausgelegt. Dementsprechend fällt in Deutschland erst im Oktober der Startschuss für die Rennsaison. „Das Rennen ist so etwas zwischen Training und Wettbewerb“, erklärt Barlag. Die Streckenlänge ist demzufolge mit höchstens zwölf Kilometern auch ziemlich kurz.
Ganz so exotisch wie man zunächst vermuten würde, sind Schlittenhunderennen in Deutschland nicht, allein in Ostdeutschland steht in dieser Saison mehr als ein Dutzend Wettbewerbe auf dem Rennkalender. Doch die Szene ist überschaubar, man kennt sich und trotz aller Konkurrenz sind die Rennen gesellige Treffen der Fans des Hobbys.

Der Hundesport kostet nicht nur viel Zeit – der enorme Bewegungsdrang der Tiere verlangt lange Ausläufe – sondern auch viel Geld. Schon die Welpen sind mit 1500 Euro nicht ganz billig in der Anschaffung. Dazu benötigt man einen Zwinger, Hundeschlitten und viele andere Kleinigkeiten. Ein richtig schönes Schlittengespann mit neun Hunden schlägt dann mit mehreren 10 000 Euro zu Buche.
Doch elitären Dünkel wird man trotz der stattlichen Summen, die für das Hobby in die Hand genommen werden müssen, bei den Schlittenfahrern nicht finden. Es sind im wahrsten Sinne des Wortes erdverbundene Menschen. Nicht umsonst wird der englische Fachbegriff für den Schlittenführer – den "Musher" - zum "Matscher" verballhornt. Wenn es bei so einem Herbstrennen etwas feuchter ist, könnten die Teilnehmer durchaus für lebende Schlammhaufen gehalten werden. Aber ein sportlicher Triumph scheint dreckverschmiert immer doppelt so wertvoll zu sein.(www.alaskafeeling.de)
© Nicolas Šustr

Mit 70 noch auf Tour – Beim Spaziergang viel erfahren - Alte Hasen führen durch ihren Kiez – Seit 10 Jahren „Stadtführungen mit Erfahrungswissen“

Treffpunkt Ostkreuz. Anne Schütz hat eingeladen zum „Spaziergang durch Boxhagen“ und wartet auf ihre Gäste. Viele sind es nicht an diesem Donnerstag Vormittag: Ein Ehepaar aus Hessen sowie eine Bekannte aus Pankow haben sich an dem maroden Berliner S-Bahnknotenpunkt eingefunden. In den nächsten zwei Stunden wird die Führerin der überschaubaren Schar die Hochs und Tiefs in der Geschichte Friedrichshains näher bringen, jenes Stadtbezirks der aus dem ehemaligen Dorf Boxhagen hervorgegangen ist.
Anne Schütz gehört zum Team der „Stadtführungen mit Erfahrungswissen“, das abseits der touristischen Trampelpfade über 40 verschiedene Touren durch fast alle Stadtteile Berlins anbietet. Vor zehn Jahren begann die heute 70-jährige mit über einem Dutzend Gleichgesinnter – durchweg Senioren – damit. „Am Anfang gab es unter uns heftige Ost-West-Grabenkämpfe“, erinnert sie sich. Die Ruppigkeiten sind inzwischen freundschaftlichen Diskussionen gewichen. Um das Geld gibt auch keinen Streit, schließlich wandern die drei Euro Unkostenbeitrag nicht in die Taschen der Guides, sondern dienen der Deckung laufender Verwaltungskosten. Was übrigbleibt wird in gemeinsame Ausflüge investiert.

Zurück zum Ostkreuz, das – noch von postsozialistischen Sanierungsmaßnahmen unbeleckt – gut Aufstieg und Verfall von Friedrichshain wiederspiegelt. Nach Erläuterung der Geschichte dieses Bauwerkes lotst die Führerin die Gruppe in den Hinterhof eines fast fertigsanierten Hauses gegenüber. „Wir dürfen doch kurz hinein“, sagt sie, schon ist der Handwerker mit unabweisbarer Freundlichkeit überrumpelt und der Hof erobert. Strahlend zeigt sie auf die neu gebauten Balkons und erläutert, dass die in der DDR höchstens abgerissen worden seien, „wegen Einsturzgefahr.“ Die Mietsteigerungen sind die Kehrseite der Medaille, wie sie nicht zu erwähnen vergisst. Den westdeutschen Touristen schildert sie eindrucksvoll die Plage des früheren Kohleschleppens für die Öfen.
An der nächsten Straßenecke zeigt Anne Schütz auf ein leerstehendes Ladenlokal. „Das war früher eine Bibliothek; da habe ich gearbeitet“, sagt sie . „Da war ich für die Kinder eher Sozialarbeiterin als Bibliothekarin.“ Denn „es wurde unglaublich gesoffen in den Familien.“ Auf solche Schilderungen legt sie viel mehr Wert als auf genaue Jahreszahlen, schließlich sei sie selber früher viel gereist: „Ich habe da genug Zahlen an den Kopf geknallt bekommen.“ Wenn es jemand genau wissen will, holt sie einfach ihr Manuskript heraus und schlägt nach.

Befragt nach der Motivation für die unbezahlten Führungen, sagt die Seniorin zunächst erstaunliches: „Eigentlich hoffe ich immer, dass niemand da ist und ich wieder gehen kann.“ Aber dann macht es ihr doch jedes Mal Spaß. Sie habe einfach eine tief ausgeprägte Angst vor Routine. Vor allem die Gespräche und Kontakte schätzt sie.
Am Boxhagener Platz, Schlusspunkt der Tour schwärmt Anne Schütz noch für die heutige Simon-Dach-Straße („zu DDR-Zeiten wäre man da verhungert“) mit ihren vielen Kneipen und Restaurants. Lobt man ihre Erklärungen, pariert sie lapidar: „Mehr als ein paar Hinterhöfe haben wir ja nicht gesehen.“ Warum sie sich so gut auskennt? „Nun ja, einerseits wohne ich ja schon fast 40 Jahre hier. Den ganzen Bezirk erlaufen habe ich mir aber erst nach 1990.“ Der Grund dafür ist etwas unerquicklicher. Nachdem sie ihre Arbeit verloren hat, war ihr die Monatskarte einfach zu teuer. „Da habe ich mich eben auf die Umgebung konzentriert und jetzt kann ich wenigstens meine Erfahrung weitergeben.“
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Der Volkspalast hat eröffnet – Rauschende Party mit 2500 Gästen – Der Palast der Republik lebt – Nur einer war für Abriss

„Reißt das Ding ab“, brüllt ein Mann. Er ist um die 50, leicht untersetzt, nicht weiter auffällig. Nur für Sekundenbruchteile huscht ein überraschter Blick über die Gesichter der gerade für das Eröffnungsfoto posierenden Gruppe. Die Überraschung weicht einem milden Lächeln. Die Provokation ist verpufft als wäre nichts geschehen. Die von den Machern des Volkspalastes inszenierten „Eröffnungsrituale“ verfehlen ihre Wirkung nicht. Viel zu feierlich ist die Stimmung, als das solche Kleinigkeiten sie vermiesen könnten. Schließlich wurden die Premierengäste, die nun auf der Sockeltreppe vor dem Palast der Republik für das Gruppenfoto Haltung annehmen, mit der Limousine vorgefahren. Wenn auch nur eine Runde um den Schloßplatz.
Das Foto ist gemacht, das rote Eröffnungsband zerschnitten, übrigens von einer Dame im Glitzer-Abendkleid (in Berlin ein eher seltener Anblick), das nun seit 14 Jahren umstrittene Gebäude darf betreten werden. Wie ist der erste Eindruck? Nackte Stahlträger und Beton, so weit das Auge reicht, einem Parkhaus nicht unähnlich. Aber ein sehr freundlich wirkendes Parkhaus, lichtdurchflutet – die Sonne ist noch nicht untergegangen – und mit großzügigen Treppen. Keine Spur mehr von Honeckers kleinbürgerlich-protzigem Lampenladen. Stattdessen Marcellas (französisch ausgesprochen) „Volkspostkartenladen“, von dem Grußkarten in die ganze Welt verschickt werden können. Die Eröffnungsrituale nannten sich übrigens „Volkslimousine“, „Volksgruppenbild“ und „Volksempfänger“.
An der Palastfassade kommt es zur „Volksenthüllung“. Das hat nichts mit Exhibitionismus zu tun und ist, präzise gesagt, eine Verhüllung. An jener Stelle, an der einst das DDR-Wappen prangte, entrollen zwei Fassadenkletterer ein „Volkspalast“-Transparent. Die Überstrapazierung des in Deutschland wahrlich nicht einfachen „Volks“-Begriffs hat Methode: Der entkernte Bau an sich wirkt so politisch wie eine Käseschachtel, nur die ideologische Füllung macht die Aussage. Ein „aktiver öffentlicher Ort der freien Kunstproduktion“ soll entstehen, so die Macher.

Weiter hinten im Erdgeschoss wartet der „Volkslampenladen“ auf Stehlampen. Das soll keine Anspielung auf DDR-Versorgungsengpässe sein: Wer eine Lampe mitbringt, bekommt freien Eintritt. Und die Leuchtenbringer sind noch nicht da. Nichts mitbringen außer etwas Mut muss man auf der „Volkswiese“, zwei Rollrasenquadraten mit Ethnodekoration. Gilt es doch dort, „im Geiste Dean Reeds“, jenes original amerikanischen DDR-Countrysängers, Lieder „Keine Macht für Niemand“ oder auch „Guantanamera“ zu schmettern.
Um 20 Uhr ist der Palast schon recht gut gefüllt, vom Baby bis zum Greis ist alles vertreten. Am Eingang ist eine Mittfünfzigerin dabei, „Volkspromi“ zu werden. Diese Performance mimt eine live ins Gebäudeinnere übertragene TV-Starberichterstattung. Die Frau hat tatsächlich etwas zu erzählen, betritt sie doch gerade ihren ehemaligen Arbeitsplatz. Sie war für das Türen abschließen zuständig, „die schönsten fünf Jahre ihres Lebens“, wie sie sagt. Sie zehre heute noch davon.

Wer nicht fernsieht, hat ein kleines Radio am Ohr und hört – natürlich – „Volksradio“, im Haus gesendet vom – und die heißen immer so – „Freien Sender Kombinat“ aus Hamburg. Das Thema? Die Eröffnung des Palastes im Jahre 2076, hundert Jahre nachdem Erich Honecker zum Dank für die Fertigstellung des „Palazzo Prozzo“ 400 Bauarbeitern die Hand schüttelte. Insgesamt handelte es sich 1976 um eine „recht krampfige Veranstaltung“, wie der Journalist Ulf Kalckreuth bei seiner launigen Eröffnungsrede urteilt. Vor ihm sprach Kultursenator Thomas Flierl von seiner anfänglichen Skepsis zur Zwischennutzung, seiner jetzigen Freude darüber und seiner Hoffnung auf Nichtabriss des Baus. Amelie Deuflhard, künstlerische Leiterin der Sophiensaele und auch des Volkspalastes, sprach danach vom beschwerlichen Weg bis zum Eröffnungsabend.
Nach den politisch-intellektuellen Bekenntissen heizte die „Bolschewistische Kurkapelle“ mit anarchistischer Blasmusik die Stimmung im aus Brandschutzgründen nur locker gefüllten Saal an. Pünktlich zum Partystart durften auch wieder Besucher ins Haus – die ältere Generation machte Platz für die jüngere. Die nahm den Palast ordentlich in Besitz, spielte mit einer (hineingeschmuggelten) Bierdose Fußball, während die „Puppetmastaz“ ihre witzige Puppen-DJ-Show aufführte, feierte bis ins Morgengrauen. Und witterte vielleicht auch ein bißchen Morgenluft für den Erhalt des Palastes.

© Nicolas Šustr

Üben für die WM 2006 - Bei der Großübung „Wolke 2005“ proben Berliner Rettungskräfte den Ernstfall - Retter lassen Übung ruhig angehen

Berlin (ddp-bln). Blaue, rote, grün-silberne und crémefarbene Fahrzeuge stauen sich vor der Einfahrt zum Übungsgelände der Berliner Polizei, einer kleinen Plattenbau-Geisterstadt am Nordrand des Grunewalds. Für diesen Samstagnachmittag ist die Großübung „Wolke 2005“ angesetzt. Etwa 150 Einsatz- und Rettungskräfte proben mit 150 Verletzen-Darstellern das Zusammenspiel verschiedener Rettungsdienste bei großen Unglücksfällen. Schließlich müssen bei so einem Ereignis nicht nur Polizei und Feuerwehr, sondern auch das Technische Hilfswerk, das Rote Kreuz und viele weitere Organisationen an einem Strang ziehen.
Ein Regalsystem in einem Baumarkt ist eingestürzt und hat etwa 50 Menschen unter sich begraben, so der Ausgangspunkt der Übung. Feuerwehrmänner und Rettungssanitäter sind bereits eifrig dabei, die Verletzten nach draußen in Sicherheit zu bringen, wo sie dann von Notärzten je nach Schwere der Verletzungen und Dringlichkeit der Behandlung in drei Gruppen aufgeteilt werden. Die Statisten wimmern und schreien fast wie bei einem wirklichen Unglück.
„Der macht des gscheid, der fragt immer mal wieder“, kommentiert ein Stuttgarter Feuerwehrmann in breitem schwäbisch das Tun seines Kollegen draußen. Fast wie im Fußballstadion klingen die Fachsimpeleien der professionellen Beobachter aus ganz Deutschland. Das passt auch irgendwie, schließlich handelt es sich bei dem Geschehen um die Vorbereitungen zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft. Da lässt es sich auch innensenator Erhart Körting (SPD) nicht nehmen, wenigstens ein paar Minuten vorbeizuschauen.
Auch Berliner Feuerwehrleute sind als Beobachter vor Ort. Ein gewisses grummeln über Personalabbau und fehlendes Geld ist nicht zu überhören. „Wo jetzt 8 Mann unterwegs sind, währen es früher 15 gewesen. Heute sind ja nicht mal mehr alle Fensterplätze im Wagen besetzt“, entfährt es einem.
Ein paar Minuten später - die Baumarkt-Katastrophe ist längst noch nicht bewältigt - kommt die nächste Hiobsbotschaft: Ein mit Chemikalien beladener Kleinlaster in die Einfahrt eines Gartenlokals gerast. Ein Fass ist leckgeschlagen, die unbekannte Flüssigkeit überschüttet 100 Menschen. Die Feuerwehr muss schnellstmöglich feststellen, um welche Chemikalie es sich handelt und außerdem müssen auch die Opfer schnellstmöglich dekontaminiert werden.
„Wir wollen vor allem feststellen, welche Dekontaminationsmethode am effektivsten ist“, sagt Landesbranddirektor Albrecht Broemme, Chef der Berliner Feuerwehr. Er ist soeben aus dem mecklenburgischen Güstrow zurückgekehrt, wo am gleichen Tag ein ähnliches Szenario, dort aber mit radioaktiver Verseuchung, stattfand.
In Güstrow wurde nach dem in den USA gebräuchlichen Verfahren der „mobilen Dekontamination“ gearbeitet, bei dem die betroffenen Personen, nachdem sie sich der Kleidung entledigt haben (das entspricht bereits einer 90-prozentigen Entseuchung), durch einen Wassernebel aus einer Reihe Feuerwehrschläuche laufen müssen. Bei der „Wolke 2005“ wird die hierzulande übliche Methode angewandt: Nach einer Grobdekontamination in Zelten durch Entkleiden und Duschen werden die Verletzten im nächstgelegenen Schwimmbad feindekontaminiert.
Die Nachteile der heimischen Methode liegen zumindest bei dieser Übung auf der Hand: Erst nach einer halben Stunde sind die Zelte aufgestellt, das Wasser angeschlossen. Die Opfer sind sichtlich demotiviert. „Bei einer Übung arbeiten viele eben nur mit halber Kraft“, sagt der Feuerwehr-Pressesprecher. Bleibt zu hoffen, dass ein echter Einsatz die Reserven mobilisiert.
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Heimwehbier

Spätestens nach dem obligatorischen Heimatbesuch zu Ostern oder Weihnachten sind bei Neuberlinern Zweifel, ob der Umzug hierher richtig war, wie weggeblasen. Die Rückkehrer erzählen sich dann Geschichten über ehemalige Schulfreunde, die Freitag abends um Mitternacht nach Hause mussten, über Sperrstundenregelungen oder über Bierpreise jenseits von gut und böse. Nur bei einer Kleinigkeit kommt dann doch etwas Wehmut auf: Bei dem Bier unvergessener adoleszenter Vollräusche, das häufig muttermilchähnliche Sehnsüchte weckt.
In einer komfortablen Position befinden sich noch diejenigen Bierliebhaber, deren Eltern vorausschauender Weise ihren Wohnsitz im Einzugsgebiet einer so genannten nationalen Biermarke genommen haben. Schließlich outet man sich mit Beck’s, Jever oder Radeberger nicht als Bremer, Friese oder Sachse. Sogar ein Tscheche verrät sich eher durch den Akzent als durch Bestellung von Pilsner Urquell oder Staropramen. Gerade der deutsche Süden ist – mal vom Weizenbier abgesehen – biertechnisch meist nur schwach vertreten.
Um so wohler können sich Bayern und Baden bei Alois S. in Prenzlauer Berg fühlen. Wirt Lothar Herr verzeichnet unter der heimeligen Rubrik „Heimatbiere“, die seiner Meinung nach „besten Biere Süddeutschlands“ auf der Karte. Neben dem bekannten Rothaus Tannenzäpfle aus der Flasche auch gezapftes Augustiner Hell aus München und erst seit kurzem Waldhaus aus dem Hochschwarzwald, ebenfalls vom Hahn. Auf letzteres ist er besonders stolz, liegt die kleine Privatbrauerei doch nur zehn Kilometer von seinem Heimatort entfernt. Mich persönlich überzeugt Waldhaus nicht ganz, etwas herber könnte es schon sein. Trotz aller Verbundenheit zeigt der Kneipier dafür durchaus Verständnis. „Aber es hat seine Liebhaber, der Absatz ist ganz ordentlich“, sagt er.
Ganz unvermutet ist auch der ebenfalls in Prenzlauer Berg gelegene Oderkahn eine Bastion bayerischen Bieres. Wie durch ein Wunder hat die traditionsreiche Kneipe bisher allen Bedrängungen durch die sich ausbreitenden Szenebars und –restaurants widerstanden und lockt die alteingesessene Bevölkerung nach wie vor zum Trinken und Karten spielen. Passend zur Patina, die der Gastraum in Jahrzehnten angesetzt hat gibt es König Ludwig Dunkel, ein untypisch herbes Schwarzbier mit deutlich weniger Süße als gewöhnlich; kurzum als Pils durchaus passabel. Weißbierliebhabern sei das ebenfalls empfehlenswerte Prinzregent Luitpold ans Herz gelegt.
Die Pony Bar in Mitte schmückt sich mit Astra Urtyp aus Hamburg, einem Bier, das nach einer geschickten Werbekampagne dort zu einem Szengetränk wurde. Davor hatte es einen Schultheiss oder Kindl vergleichbaren Ruf und trug den wenig schmeichelhaften Titel „Frühstücksbier“. Da auch der Geschmack West-Berliner Erzeugnissen ähnelt, braucht es eine gehörige Portion Heimweh und/oder Lokalpatriotismus, um Astra Urtyp nüchtern zu sich zu nehmen. Webdesigner aus Mitte scheinen jedoch hart im nehmen zu sein und stürzen ein Flasche nach der anderen in sich hinein, was mir auch aufgrund des weiten Wegs zu den Toiletten (gefühlte Länge: ein Häuserblock) problematisch scheint.
Zeit für das Yorckschlösschen, ein Kreuzberger Kneipenurgestein, dass den Gast selbstbewusst mit einem kleinen jedoch unübersehbar an der Tür prangenden Schild „Jazzmuseum“ empfängt. Wahrscheinlich sind allein schon die Plakate an den verräucherten Wänden ein Vermögen wert, das Gesamtensemble unbezahlbar. Die Bedienung ist echte Berlinerin, hopfentechnisch sind sowohl Süd- als auch Westdeutschland vertreten. Aus Niederbayern stammt Hohenthanner Pils, ein nicht weiter spektakuläres Bier einer kleinen Privatbrauerei, das aber auch nicht unangenehm auffällt. Gaffel-Kölsch wiederum ist wieder so ein Fall für Liebhaber, allein schon die schnapsglasähnliche Ausschankmenge ist gewöhnungsbedürftig.
In Supermärkten keine Rarität ist das aus Leipzig stammende Sternburg Export, in der Gastronomie ist es jedoch praktisch nicht zu finden. Doch das Café Morgenrot in Prenzlauer Berg, vom Interieur zwischen Cocktailbar und Café changierend, leistet Widerstand „Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten“, ist die Überzeugung, die auch zu Sternburg Export passen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist jedenfalls unschlagbar, kann es doch geschmacklich durchaus mit Markenbieren mithalten. Die immer wieder nachgesagte Nebenwirkung Kopfschmerzen scheinen eher auf die konsumierte Menge als die Marke zurückzuführen zu sein.
Und die armen Südhessen? Die trinken nicht nur Bier sondern auch beachtliche Mengen Apfelwein, auch als Äppler oder Ebbelwoi bekannt. Direkt vom Fass serviert ihn die Kreuzberger Waldohreule, natürlich stilecht im Rippenglas oder im Bembel. Thomas Sabrowsky und Jan Hartwig-Schmidt, Besitzer der Eule, kommen beide aus Hessen und „wollten den wunderbaren Geschmack den Berlinern nicht vorenthalten.“ Ausgeschenkt wird die Marke Schoppenpetzer, „die älteste Kellerei Deutschlands“, wie Sabrowsky erläutert. Der ist schön mild, so dass er auch pur schmeckt. Die Gäste – nicht nur Hessen – haben das erkannt und trinken einiges davon weg. Jetzt bräuchte Berlin nur noch das Meer und Berge.

Zum weiterlesen:
2000 Biere von Michael Rudolf ist laut Untertitel der endgültige Atlas für die ganze Bierwelt. Der Autor hat ebensoviele Biersorten selbst getestet und gibt sein persönliches, nicht immer sehr schmeichelhaftes Urteil ab. Erschienen 2002 im Oktober Verlag, ISBN 3-935792-02-6
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Die Poesie des Bieres beschäftigt Jürgen Roth in seinem Band. In kurzen Geschichten und Dialogen leuchtet er jeden Winkel des Bierkosmos aus. Erschienen 2003 im Oktober Verlag, ISBN 3-935792-03-04
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Im Internet:
Eine umfangreiche Bierdatenbank haben die Betreiber von www.biertest-online.de zusammengestellt. Besucher der Seite können eigene Testergebnisse hinzufügen.
Unter www.vlb-berlin.de findet sich eine umfangreiche Linkseite zu deutschen Brauereien und viele weitere Infos rund um den Gerstensaft.
Der Deutsche Brauerbund präsentiert sich und seine Erzeugnisse unter www.deutsches-bier.net.
Alois S., Prenzlauer Berg, Senefelderstr. 18
Oderkahn, Prenzlauer Berg, Oderberger Str. 11
Pony Bar, Mitte, Alte Schönhauser Str. 44
Yorckschlösschen, Kreuzberg, Yorckstr. 15
Morgenrot, Prenzlauer Berg, Kastanienallee 85
Waldohreule, Kreuzberg, Köpenicker Str. 194
© Nicolas Šustr

Total lokal — Berliner Lokalfernsehen

Kennen Sie FAB? Nein, nicht die legendäre ehemalige HipHop-Band „Freaks Association Bremen“, sondern „Fernsehen aus Berlin“. Seit über 13 Jahren strahlt der Sender – allgemein weitgehend unbemerkt – sein Programm auf ambitionierten Schülerniveau aus. Verwackelte Bilder und schlechte Sprecher sind zum Markenzeichen des Projekts geworden. „Teddy von Kaiser’s“ ist die einzige Person im Programm, der eine gewisse Originalität zugesprochen werden kann. Der ist zwar eine Werbefigur, aber Reklame und Programm sind sowieso schwer zu unterscheiden. „Nicht ohne Grund“ ist Harry Perlinger Moderator gleichnamiger Immobiliensendung beim Lokalkonkurrenten TV.Berlin, verbreitet er doch genau die Immobilienmaklern nachgesagte ölige Geschmeidigkeit. Wohl auch deshalb wendet sich nur selten bei „Harry hilft“ jemand mit Problemen an ihn. „Willy wartet“ immerhin nicht vergeblich in seiner Sendung, können doch Schnellentschlossene eine Pauschalreise in den Süden gewinnen. Da bleibt man sogar vom Berliner Lokalfernsehen verschont.
© Nicolas Šustr

Hin und Her, Rauf und Runter — Pendelverkehr

Von Tiergarten nach Spandau in einer halben Stunde mit der S-Bahn, vom Wedding nach Neukölln mit der U8 in einer Viertelstunde. Toll! Dann mal schnell einsteigen. Nach zwei Stationen ist die Freude verflogen: „Ach, Pendelverkehr.“ Oder: „Mist, Schienenersatzverkehr.“ BVG und S-Bahn finden viele Anlässe für die unfreiwilligen Schnitzeljagden nach Ersatzbus-Haltestellen. Mal brennt außerplanmäßig ein Zug ab, oder Weichenerneuerung ist angesagt. Brückenbauarbeiten sind auch beliebt. Dauerbrenner ist jeden Sommer der Einbau von „Flüsterschienen“ auf der Hochbahn in Kreuzberg. Westdeutsche Bekannte vertrauen einem bei solchen Gelegenheit an, dass sie bisher das Wort Schienenersatzverkehr noch nicht kannten. Touristen stehen meist absolut ratlos auf dem Bahnsteig oder pendeln mit dem Zug hin und her, bis ihnen die Bahnhöfe allzu vertraut vorkommen. Dabei wollten sie doch einfach die Stadt kennenlernen und nicht Umfahrungsmöglichkeiten mit zwei Mal umsteigen. Vielleicht hat ja deshalb die DB angefangen, Fahrräder zu vermieten.
© Nicolas Šustr

Im Zeichen des Sports — Sommermode von z. B.

Die aktuelle Sommerkollektion des Berliner Modelabels z. B. steht ganz im Zeichen des Sports. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die T-Shirts, Kleider, Taschen, Schuhe und anderen Produkte sind mit Sportpiktogrammen bedruckt. Das sind diese Bildzeichen, die mehr oder minder verständlich etwas ohne Worte beschreiben wollen. Piktogramme traten ihren Siegeszug durch Deutschland mit den Münchner Olympischen Spielen 1972 an. So sollten auch des Deutschen unkundige ihre Wunschdisziplin finden.
Stefanie Herbold und Anke Bruns, die zwei Jungdesignerinnen, die hinter z. B. stehen, schätzen vor allem die klare Formsprache der Symbole. Auf der ansonsten in klaren Farben und einfachen Formen gehaltenen Kollektion wirken die Piktogramme schon fast verspielt. Daneben haben sie auch ein fast vergessenes Accessoire aus der Versenkung geholt: Den Druckknopf. Früher allgegenwärtig findet er sich inzwischen praktisch nur auf Kinderkleidung.
Die Preise der Kleidungsstücke bewegen sich im Rahmen zwischen 19 und 79 Euro. Zu kaufen bei Respectless, Creme Fresh und natürlich im Atelier und Showroom Gummersbach, das sie sich mit anderen Jungdesignern teilen.

© Nicolas Šustr

Lieblingsplatz im Winter — Straßenbahnlinie 13

Gegen die BSR hat sie keine Chance, zumindest nicht auf der Pappelallee. Minutenlang quält sich die Straßenbahn hinter dem Müllauto hinterher. Jamiroquai, „Travelling without moving“ fällt mir dabei immer ein. Das orangefarbene mobile Hindernis macht endlich Platz und mein Zug kann wieder als Fortbewegungsmittel bezeichnet werden. Eigentlich schätze ich die Strecke in der Pappelallee, eben weil sie nicht so neumodischen Schnickschack hat wie ein eigenes Gleis, sondern schön mitten auf der Straße fährt. Auch fühle ich mich in der 13 immer recht exklusiv. Wirklich voll ist die Linie nie. Zum Anti-Winterdepressionsprogramm gehört die Straßenbahnfahrt dazu.
Das wollte ich schon als Kind immer, einfach so durch Berlin mit der Straßenbahn fahren. Meine Mutter ließ das nicht zu. Wir wohnten in West-Berlin, Straßenbahn gab’s nur im Osten. Drüben hatten sie wiederum keine Doppeldecker. Aber Tram fand ich besser. Trotzdem weigerte sich meine Mutter partout, nach Ost-Berlin zu ziehen.
Tempi passati. Ich sitze auf dem idealen Platz: In Fahrtrichtung und mit viel Beinfreiheit. Draußen scheucht der winterliche Brandenburger Steppenwind Fußgänger vor sich her. Drinnen Wärme, Ruhe, fast Harmonie. Ich fühle mich angenehm unheroisch. Sogar dem viehstallartigen Geruch, den die Klimaanlage verbreitet, kann ich etwas abgewinnen. Ist ja irgendwie weihnachtlich. Vielleicht sollte die BVG noch etwas Stroh in ihre Züge streuen.
Es ist nachmittag, vor allem Rentner steigen ein, mit original Ost-Einkaufsbeuteln. Spätestens an der zweiten Haltestelle steigen sie wieder aus. An der Eberswalder wieder etwas Action. Vollbremsung mit Gebimmel. Keine Schäden an Mensch und Material. Ein Kaffee wäre nicht schlecht. Leider wird der noch nicht an Bord serviert. Also Pause im „Morgenrot“ in der Kastanienallee. Dann weiter, aber diesmal Richtung Pankow, durch die Schönhauser Allee. Deutlich mehr los. Neben mir ein älterer Herr, das Neue Deutschland studierend. Regentropfen kullern an der Scheibe herunter. Ich bin satt, trocken, zufrieden.
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Selber Treten macht klug — Geführte Fahrradtouren durch Berlin

Stadtrundfahrten im Bus sind eigentlich nur was für Berlin-an-einem-Tag-Fetischisten. Sitzt man auf der falschen Seite des Touristenvehikels sieht man gerade die Dinge nicht, die einen interessiert hätten. Dazu wabert ein unablässiger Strom von Daten und Fakten aus dem Lautsprecher des routinierten Stadtführers, die man sich sowieso nicht merken kann. Der eigentliche Kontakt mit der Stadt beschränkt sich fast nur darauf, ob gerade Stau ist oder nicht. Niemand, der hier wohnt, würde sich das geben.
Ganz anders sieht das bei geführten Radtouren aus, die hier gerade einen regelrechten Boom erleben. Aus gutem Grund. Sie sind längst nicht so dröge wie das eingefahrene Busangebot und neben der klassischen City-Rundfahrt haben sich die Veranstalter phantasievolle Spezialtouren unter Titeln wie Abenteuer Kreuzberg oder Mauerstreifzüge einfallen lassen. Die sind natürlich auch für Berliner interessant. Dementsprechend sind die Gruppen auch eine bunte Mischung aus Touristen und Einheimischen. Oft ist die Stimmung so gut, dass ein Teil der Truppe die Fahrt noch bei Kaffee oder Stärkerem ausklingen lässt. Also auch eine gute Gelegenheit, Leute kennen zu lernen.
Fahrräder sind in der Stadt sowieso ideal. Sie bieten einen relativ großen Aktionsradius, weder Stau noch Verspätungen von Bus oder Tram behindern. Und man nimmt ungefiltert Teil am prallen Stadtleben. Auch wer nicht zu heftiger Sportlichkeit neigt, kann die Touren genießen.
Seit letztem Jahr bietet die Firma Zweitradtouren die Rundfahrt „Ab durch die Mitte“ an, dabei geht es Dreieinhalb Stunden durch Mitte und Tiergarten. Weil immer noch die Sorge vorherrscht, es könnte um Leistungssport gehen, kündigt der Flyer die Tour als „Stadtspazierfahrt“ an.
Ich melde mich also für die Mitte-Fahrt an. Meinem eigenem Gefährt im Keller traue ich nicht mehr so recht über den Weg, also buche ich gleich noch ein Hollandrad mit.
Während ich meine letzte Zigarette vor dem Start rauche, kommt schon Sabine Jözwiak, die abwechselnd mit Ulrich Gries die Touren leitet. Sie ist ausgebildete Stadtführerin. Bevor es losgeht, weist sie mich noch ein: „Ich sage zwar immer, wo wir jetzt sind und was es zu sehen gibt, aber wenn Du mehr wissen willst, dann musst Du das sagen. Ich will die Leute nicht tot quatschen. – Ach ja, und Vorsicht bei Straßenbahngleisen!“
Wir steigen auf. Über Nebenstraßen kommen wir zum Mauerstreifen an Bernauer Straße, Westberliner Seite. Die Mauer wirkt immer noch. Sabine weist Richtung Mitte. „Ich wohne zwar gleich um die Ecke, aber einkaufen war ich im Wedding auch noch nie.“
Sabine Jözwiak erweist sich allein schon durch ihre Biographie als Spezialistin für West-Östliches. Nach langwierigen Verfahren konnte sie 1987 endlich aus Ost-Berlin ausreisen. Fast 15 Jahre lebte sie in West-Berlin. Sie kann viel Interessantes erzählen, tut es aber nur, wenn man es auch hören will. „Das Tolle an der Radspazierfahrt ist die Flexibilität, sind viele Schweizer dabei, dann fahren wir noch zur Schweizer Botschaft“, erklärt sie. „Im Eingangsbereich der Botschaft fallen alle paar Minuten Blätter aus dem Luftschacht. Die sehen aus wie Herbstlaub und auf der Rückseite stehen Sinnsprüche.“ Das wusste ich auch noch nicht.
Die Strecke rund um die Siegessäule ist eines der wenigen Teilstücke, das an einer Hauptverkehrsstraße entlang führt. Gefährlich ist das auch nicht, es gibt breite Fahrradwege.
Rund um den kleinen Tiergarten kommt der architektonisch interessanteste Teil der Fahrt, an gelungenen Bauten wie der mexikanischen oder indischen Vertretung vorbei. „Zur österreichischen Botschaft wusste ein Architekturkritiker nichts weiter zu sagen, als dass der Zaun das Schönste daran ist,“ sagt Sabine beiläufig. Dem kann ich mich nur anschließen.
Gibt es mal spezielle Fragen, blättert sie zielsicher im Du Mont Führer. Das könnte ich zwar selber auch, aber geführt werden und Sachen herausgesucht zu bekommen ist schon angenehmer.
Wir erreichen den Schlossplatz und sind vor dem Palast der Republik. „Das ist ein guter Ort für Architekturdiskussionen, da bleiben wir meistens ein paar Minuten.“ Die letzten paar Meter vom Hackeschen Markt zum Ausgangspunkt beim Teutoburger Platz ist der sportlichste Teil der Tour, eine leichte Steigung (der Berliner würde Berg sagen) ist zu überwinden.
Ich bin überrascht, dass wir schon wieder am Ziel sind. Obwohl ich schon lange hier wohne, habe ich selbst bei der eher für Touristen interessanten Zentrumstour Neues erfahren. Man bekommt ein Gefühl für den Stadt-Raum und wie nah vieles beieinander liegt. In diesem Jahr soll noch eine zweite Tour ins Programm. „Durch Prenzlauer Berg“, wie Sabine verrät, die meine Begeisterung mitbekommen hat. Die mache ich sicher mit, aber mit eigenem reparierten Fahrrad.

„Ab durch die Mitte“ von Zweitradtouren. Vom 19. April bis 25. Oktober immer samstags um 14 Uhr. 14,50 Euro pro Person. Fahrräder können für 7,50 Euro zusätzlich gemietet werden. Tel. 53 64 82 89, www.zweitradtouren.de

Weitere Anbieter:
Fahrradstation bietet zusammen mit seinen Partnern ab 22. April verschiedene Fahrradtouren an. Dazu gehören die tägliche Zentrumstour „Berlin by Bike“ (Treffpunkt Fahrradstation Friedrichstraße) sowie Abenteuer Kreuzberg und Mauerstreifzüge. Infos und Reservierung unter Tel. 01805-10 8000, www.fahrradstation.com
Insidertour hat täglich eine englischsprachige Zentrumstour vom 1. Mai bis 30. September im Angebot. Treffpunkt ist 10.30 Uhr an der Fahrradstation Friedrichstraße, der Preis beträgt inklusive Fahrrad 20 Euro, ermäßigt 17 Euro. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Tel. 692 31 49, www.insidertour.com

© Nicolas Šustr